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	<title>Manfreds politische Korrektheiten</title>
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	<description>Hier denkt der Querkopf.</description>
	<pubDate>Mon, 30 Jun 2008 12:59:02 +0000</pubDate>
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		<title>Nachklatsch zur Europameisterschaft</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jun 2008 12:59:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[So, nun wissen wir also, wo unsere Nationalmannschaft steht; und ich hoffe, niemand beim DFB bildet sich ein, sie sei die zweitbeste Europas. So aussagekräftig ist das Classement bei einer EM nicht. Der inoffizielle Titel eines „Vizeweltmeisters“ macht noch etwas her (obwohl wir ja 2002 gesehen haben, dass man zu so einem Titel auch kommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal" style="margin:0;">So, nun wissen wir also, wo unsere Nationalmannschaft steht; und ich hoffe, niemand beim DFB bildet sich ein, sie sei die zweitbeste Europas. So aussagekräftig ist das Classement bei einer EM nicht. Der inoffizielle Titel eines „Vize<em>welt</em>meisters“ macht noch etwas her (obwohl wir ja 2002 gesehen haben, dass man zu so einem Titel auch kommen kann wie die Jungfrau zum Kinde) – „Vize<em>europa</em>meister“ dagegen ist so etwas Ähnliches wie die Goldene Ananas. Jedenfalls spricht wenig dafür, dass unsere Mannschaft gegen Holland oder Russland, oder selbst gegen Italien, wesentlich besser ausgesehen hätte als gegen Spanien.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Dieses Finale war die Stunde der Wahrheit, und zwar gerade für den, der sich vergegenwärtigt, was alles <em>nicht</em> verkehrt war: Es fehlte <em>nicht</em> an der Einstellung, <em>nicht</em> an der Kampfmoral, <em>nicht</em> an der richtigen Taktik. Man kann auch <em>nicht</em> behaupten, dass die Spieler die Taktik nicht verstanden oder sich nicht redlich bemüht hätten, sie umzusetzen. Sie <em>konnten</em> es einfach nicht!</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Diesen schnellen, offensiven, flüssigen modernen Kombinationsfußball (War eigentlich jemals etwas Anderes „modern“?), den beherrschen sie durchaus – solange der Gegner sie lässt und nicht versucht, durch aggressives Stören den Spielfluss der Deutschen zu unterbrechen. Ein solch freundlicher Gegner war zum Beispiel Portugal, und ich wette, die Portugiesen beißen sich jetzt in den Allerwertesten, wo sie nun wissen, wie sie hätten spielen müssen. Die Kroaten, weiß Gott keine <em>galacticos</em>, hatten schon gezeigt, dass die Deutschen sich gegen einen robusten Destruktionsfußball nicht durchsetzen können; im Rückblick wird deutlich, dass das Kroatienspiel nicht der Ausrutscher war, für den wir es halten wollten, sondern eine tiefer liegende Schwäche aufgedeckt hat. Die Spanier, eleganter, aber nicht weniger entschlossen, haben diese Lehre auf höherem Niveau bestätigt.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Mehr noch: Sie haben gezeigt, dass eine wirklich große Mannschaft sich auch gegen einen Gegner behauptet, der es darauf anlegt, ihr Spiel zu zerstören, so wie die Deutschen es versuchten. Sie haben ferner gezeigt, dass man seinerseits das Spiel des Gegners zerstören kann, ohne selber Rumpelfußball zu spielen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Unsere Mannschaft dagegen verliert den Faden, sobald sie unter Druck gerät – da werden reihenweise Fehlpässe gespielt, und sogar die Ballannahme sieht abenteuerlich aus. Da braucht es schon Gegner wie Österreich oder schlimmstenfalls die Türkei, damit man sich mit Ach und Krach in die nächste Runde rettet.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Das Problem unserer Mannschaft ist, dass in ihr kein einziger Weltklassespieler steht (in der spanischen aber mindestens fünf oder sechs). O, sie hat gute Spieler: Ein Mann wie Ballack hat sich bei Chelsea bestimmt nicht durch Fehlpässe durchgesetzt. Nur spielt er bei Chelsea in einer Mannschaft, in der er seine unbestrittenen Stärken zur Geltung bringen kann, ohne dass Irgendeinem auffallen müsste, dass er nicht der geniale Spielmacher ist, als der er in der deutschen Nationalelf gefordert ist, weil er dort als Einäugiger unter Blinden spielt.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Was aber ist mit den anderen Spielern, die 2006 noch Weltklasseformat zu haben schienen? Hatten sie das <em>wirklich</em> und haben jetzt nur unter ihren Möglichkeiten gespielt? Für einen wie Philipp Lahm könnte das zutreffen. Seine Genieblitze bei der EM konnten zwar seine Aussetzer nur bedingt kompensieren, aber immerhin <em>hatte</em> er welche – die Genieblitze nämlich.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Wenn wir von Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger absehen, die nicht ohne Durchhänger, aber im Großen und Ganzen eben doch die Leistungen von 2006 bestätigt haben, dann drängt sich für den Rest der Mannschaft der Verdacht auf, das wir sie jetzt in ihrer Normalform gesehen haben. Ich fürchte, sie haben genau das gezeigt, was man von ihnen erwarten kann, wenn nicht gerade ein Sommermärchen-Rausch sie befeuert. Und dabei haben wir, da bin ich sicher, tatsächlich die besten Spieler gesehen, die Deutschland aufzubieten hat, und können uns ausmalen, wie die nächst besten sich und uns blamiert hätten.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Nehmen wir allein – pars pro toto - die Innenverteidigung, Metzelder und Mertesacker, die 2006 noch auf Augenhöhe mit Leuten wie Cannavaro spielten. Gut, Metzelder hatte jetzt wenig Spielpraxis. Nur ist es erstens bezeichnend, dass Löw ihn trotzdem spielen lassen <em>musste</em>, weil er keinen adäquaten Ersatz hatte, zweitens kommt man ins Grübeln, wenn man sieht, dass ein solcher Spieler bei Real Madrid entbehrlich zu sein scheint, in der deutschen Nationalmannschaft aber nicht, und drittens sollte sich das Argument der fehlenden Spielpraxis spätestens beim sechsten Turnierspiel in Folge relativiert haben. Und Mertesacker, der sich auf die Entschuldigung respektive Ausrede mangelnder Spielpraxis überhaupt nicht berufen kann, stakste zeitweise im Strafraum herum wie der Storch im Salat.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Was verheißt das für die WM 2010? Nichts Gutes. Aber das muss nicht heißen, dass wir nicht Vizeweltmeister werden.</p>
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		<title>James Sheehan: &#8220;Kontinent der Gewalt. Europas langer Weg zum Frieden&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jun 2008 13:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>

		<category><![CDATA[Europa]]></category>

		<category><![CDATA[Political Correctness]]></category>

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		<description><![CDATA[(Kurzrezension)
James Sheehan beschreibt &#8220;Europas langen Weg zum Frieden&#8221; als einen Umweg: Der Zustand eines nach innen und außen weitgehend befriedeten Europa, den wir heute genießen, war nämlich vor 1914 schon einmal erreicht gewesen. Man ist sich heute dessen gar nicht mehr so bewusst, weil man ja weiß, was danach kam. Stefan Zweig hat in seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><h3>(Kurzrezension)</h3>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">James Sheehan beschreibt &#8220;Europas langen Weg zum Frieden&#8221; als einen Umweg: Der Zustand eines nach innen und außen weitgehend befriedeten Europa, den wir heute genießen, war nämlich vor 1914 schon einmal erreicht gewesen. Man ist sich heute dessen gar nicht mehr so bewusst, weil man ja weiß, was danach kam. Stefan Zweig hat in seinen Lebenserinnerungen („Die Welt von Gestern“) die Zeit vor 1914 „das Zeitalter der Sicherheit“ genannt.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Ich fasse Sheehans Argumentation zusammen:</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Das Jahrhundert vom Wiener Kongress 1815 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war das friedlichste in der Geschichte Europas gewesen; seit 1871 hatte es überhaupt keinen Krieg der Großmächte mehr gegeben, und die Abschaffung des Krieges überhaupt schien erstmals eine reale Möglichkeit zu sein.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Freilich war sie auch eine Notwendigkeit: Die hochtechnisierten Massenheere der europäischen Großmächte, das sahen hellsichtige Analytiker schon im 19. Jahrhundert, konnten den Krieg gegeneinander nur als totalen Krieg führen, der eine entsprechend umfassende Zerstörung hinterlassen würde.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Genau so kam es. Der Erste Weltkrieg vernichtete nicht nur Menschenleben, Staaten und Kapital. Er zerstörte die friedfertige Zivilität, die bis dahin die Völker Europas ausgezeichnet hatte. Die Gewaltideologien des Faschismus und des Kommunismus verhinderten die Rückkehr Europas zu einer rationalen und friedlichen Politik, die zumindest in den westlichen Staaten angestrebt wurde.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Dort erwuchs aus der apokalyptischen Erfahrung des Weltkriegs ein leidenschaftlicher Pazifismus, der die speziell vom Nationalsozialismus ausgehende Gefahr bagatellisieren zu können glaubte. Die daraus resultierende Appeasement-Politik ermöglichte Hitler erst die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs und die Zerstörung Europas.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Paradoxerweise war es gerade der Kalte Krieg, der zur Entmilitarisierung der europäischen Politik führte. Unter dem eisernen Panzer der Supermächte verloren die europäischen Staaten de facto die Fähigkeit zur autonomen Kriegführung und zugleich jedes Interesse daran.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Die westeuropäischen Staaten der Nachkriegszeit waren und sind zivile Staaten in dem Sinne, dass sie das Ziel maximalen Wohlstands für ihre Völker verfolgen und in Institutionen wie der EU in einem Maße zusammenarbeiten, das vor 1914 unvorstellbar gewesen wäre.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Sogar im Ostblock war das Maß an Repression in der Ära nach Stalin bei weitem nicht vergleichbar mit den Gewaltexzessen der Revolution und des Stalinismus, und so erscheint es wie der folgerichtige Abschluss dieser Entwicklung, dass Gorbatschow den sowjetischen Imperialismus kassierte, Osteuropa freigab und auf friedliche innere Reform setzte.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Wer freilich die zivile, ja pazifistische Disposition des heutigen Europa zum Modell machen und als solches dem amerikanischen &#8220;Militarismus&#8221; polemisch entgegensetzen will, verkennt, dass Europa nach wie vor in einer hochgradig gefährlichen Welt existiert und auf eigene Gewaltanwendung nur deshalb verzichten kann, weil die USA nach wie vor zur Kriegführung fähig und gegebenenfalls auch bereit sind.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Europa, das hat sich spätestens beim Zerfall Jugoslawiens gezeigt, ist ein amerikanisches Protektorat, das unfähig ist, seine eigenen vitalen Interessen zu wahren, zumindest dann, wenn dazu die Anwendung militärischer Gewalt erforderlich ist.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Dies wird auch so bleiben, sofern Europa sich nicht zu einem Bundesstaat mit eigenem Militär und eigener Außenpolitik mausert. Ein solcher Staat wäre eine Supermacht; aber er wird nicht entstehen, weil es für die Europäer wesentlich bequemer ist, den Schutz Amerikas in Anspruch zu nehmen, an dem festzuhalten, was von der nationalen Souveränität noch übrig ist, und die Abhängigkeit von den USA als notwendiges Übel in Kauf zu nehmen.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Soweit Sheehan. Ich kann nicht behaupten, dass mir seine Schlussfolgerung gefällt, aber wenn ich einen größeren Betrag wetten müsste, würde ich seiner Prognose realistischerweise eine größere Chance auf Verwirklichung einräumen als meiner eigenen Hoffnung, dass Europa wieder lernt, seine eigenen Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen und seine eigenen Interessen selbst zu vertreten.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Es ist nun einmal einfacher, auch bequemer, auch billiger, die eigene Sicherheit einem Anderen anzuvertrauen, und den Preis in Gestalt von Abhängigkeit zu bezahlen. Solange dieser Andere ein freundlicher Hegemon ist wie Amerika, der Europa seine Abhängigkeit nur gelegentlich und nur mäßig spüren lässt, mag das alles angehen.</p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoPlainText" style="margin:0;">Was aber, wenn Amerika sich zurückzieht? Was, wenn es zum unfreundlichen Hegemon wird? Was, wenn es den Preis erhöht? Was, wenn es nicht mehr stark genug ist, seine Protektorenrolle zu spielen?</p>
<p> </p>
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		<title>Die Obama-Lotterie</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jun 2008 00:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lege mich fest: Der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird Barack Hussein Obama heißen. Obama hat drei Schwächen, auf die die Republikaner sich einschießen werden: Seine Unerfahrenheit, sein Gutmenschentum und seine Hautfarbe.
Letztere ist zwar nicht an sich eine Schwäche - wenn die Republikaner Colin Powell oder Condoleezza Rice nominiert hätten, hätten wohl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ich lege mich fest: Der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird Barack Hussein Obama heißen. Obama hat drei Schwächen, auf die die Republikaner sich einschießen werden: Seine Unerfahrenheit, sein Gutmenschentum und seine Hautfarbe.</p>
<p>Letztere ist zwar nicht an sich eine Schwäche - wenn die Republikaner Colin Powell oder Condoleezza Rice nominiert hätten, hätten wohl nur eingefleischte Rassisten ein Problem damit gehabt -, sie wird aber zur Schwäche durch seine Herkunft aus einem politischen Milieu, in dem Rassismus gegen Weiße und Hass gegen das eigene Land zum guten Ton gehören. Die Predigten seines väterlichen Freundes Jeremiah Wright sprachen Bände, zumal Obama solchen Reden Jahre um Jahre zugehört haben muss, ohne zu protestieren oder sich abzuwenden. Allein Wrights letzter Auftritt in Washington hätte Obama das Genick brechen müssen. Hat er aber nicht. Ähnlich wie Ronald Reagan scheint Obama teflonbeschichtet zu sein - alles gleitet an ihm ab.</p>
<p>Das Gutmenschentum - also die Neigung zu Dialog, Diplomatie, Multilateralismus: Kann so jemand ein Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte sein? Ich fürchte, nach acht Jahren Bush lässt sich aus solchen Überlegungen kein Wahlkampfknüller mehr gewinnen.</p>
<p>Seine Unerfahrenheit: Die hat schon Hillary Clinton auszuschlachten versucht (&#8221;Nachts um drei im Weißen Haus klingelt das Telefon. Irgendwo auf der Welt braut sich eine bedrohliche Krise zusammen. Wer, meinen Sie, sollte jetzt im Weißen Haus den Hörer abnehmen?&#8221;), mit einem gewissen Erfolg, der aber nicht durchschlagend war.</p>
<p>Schwächen also hat er, aber sie scheinen seine Stärken nicht aufzuwiegen: Obama ist ein <a href="http://flowerkraut.wordpress.com/2008/03/20/grosses-kino/">phantastischer Redner</a>, einer, dem durchaus so etwas wie eine <em>Gettysburg address</em> zuzutrauen ist; er hat das Charisma eines Messias; und seine Botschaften - <em>change! Yes, we can!</em> - sind so uramerikanisch, dass sie auf eine Nation wie die amerikanische mit ihrer unerschöpflichen Bereitschaft, Neues zu wagen und sich selbst neu zu erfinden, einfach unwiderstehlich wirken müssen. McCain sieht dagegen buchstäblich alt aus.</p>
<p>Der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten wird also Barack Obama heißen. Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht?</p>
<p>Zunächst wird dem Antiamerikanismus eine Weile das Maul gestopft werden: Ein Amerika, das von einem Schwarzen regiert wird, genießt allein deshalb schon den Schutz der Political Correctness, wenigstens eine Zeitlang. Und wahrscheinlich haben auch die Kommentatoren Recht, die glauben, dass Amerika unter den Bewohnern der Dritten Welt ebenso an Sympathien gewinnen wird wie in Europa. In der Dritten Welt, weil der US-Präsident dann aussieht &#8220;wie wir&#8221; und vielleicht weniger &#8220;imperialistisch&#8221; sein könnte. In Europa, weil man dort genau das erwähnte Gutmenschentum schätzt.</p>
<p>Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder enttäuscht er diese Erwartungen, dann wird die Sympathie schnell dahin sein. Oder er erfüllt sie. Dann wäre das die schlechte Nachricht.</p>
<p>Den meisten Europäern ist nicht bewusst, dass sie sich ihren eigenen Pazifismus nur deshalb leisten können, weil Amerika eben <em>nicht</em> pazifistisch ist. Obama will mit Allen reden: mit dem Iran, mit Syrien, wahrscheinlich auch mit der Hamas und der Hisbollah. Ist er sich wirklich bewusst, dass diese Leute <em>Feinde</em> seines Landes sind? Ist er sich darüber im Klaren, dass Israel die Zwölf auf deren Zielscheibe ist? Dass es die exponierte weiche Kinnspitze des Westens ist, ungefähr das, was im Kalten Krieg West-Berlin war? Weiß er, dass der, der eine Politik des &#8220;Wandels durch Annäherung&#8221; versucht - etwa gegenüber dem Iran -, an einem Abgrund namens &#8220;Appeasement&#8221; balanciert, und dass es großer Staatskunst bedarf, da nicht abzustürzen? Und verfügt er über diese Staatskunst - Stichwort &#8220;Unerfahrenheit&#8221;? Eine Annäherung an den Iran liegt im Bereich des Möglichen, aber nicht in dem des Erfreulichen. (Siehe auch meinen Artikel <a href="http://korrektheiten.wordpress.com/2008/01/15/wie-vertrauenswurdig-ist-amerika/">&#8220;Wie vertrauenswürdig ist Amerika?&#8221;</a>)</p>
<p>Barack Obama ist bisher nicht mehr als eine Projektionsfläche. Wir wissen nicht, was er tun wird, wir wissen nur, was er symbolisiert: Antirassismus, Multilateralismus, Multikulturalismus, multireligiösen Hintergrund. Ich gebe zu, dass mir nicht wirklich wohl bei dem Gedanken ist, dass der mächtigste Mann der Welt ausgerechnet Hussein heißt und in seiner Kindheit in Indonesien eine islamische Schule besucht hat. In der islamischen Welt wird ihm das Sympathien einbringen - wahrscheinlich wird in Kürze irgendwo eine Fatwa auftauchen, die ihn zum Muslim erklärt, wie Goethe und Wilhelm II. -; hoffen wir, dass er nichts tut, sich diese Sympathien zu verdienen.</p>
<p>Antirassismus ist auch so ein Punkt, bei dem ich nachdenklich werde: Der &#8220;Kampf gegen den Rassismus&#8221; wird mittlerweile zur Parole, unter der in Wirklichkeit ein Kampf gegen die westliche Demokratie geführt wird. (Und wieder verweise ich auf einen meiner Artikel: <a href="http://korrektheiten.wordpress.com/2007/10/14/ist-das-schon-rassistisch/">&#8220;Ist das schon rassistisch?&#8221;</a>). Was, wenn nicht mehr die Ohnmacht der UNO, sondern die Macht der USA hinter Kampagnen steht, mit denen europäische Staaten eingeschüchtert werden sollen?</p>
<p>Obama ist ein ungewöhnlich sympathischer Politiker, und er ist Idealist. Ein Mann, der das gute Amerika verkörpert. Wie Woodrow Wilson. Wie Jimmy Carter. Es könnte sein, dass ein weniger sympathischer US-Präsident besser für die Welt wäre.</p>
<p>Natürlich kann es sein, dass ich Gespenster sehe. Vielleicht hält Obama wirklich die Balance zwischen Idealismus und Realismus. Vielleicht schwächt er wirklich die antiwestliche Feindschaft weltweit, und damit auch die Feinde des Westens. Vielleicht verändert er wirklich die Welt zum Guten.</p>
<p>Ich meine das gar nicht so hypothetisch, wie es vielleicht klingt. Er ist ein Politiker von außergewöhnlichem Format. Er hat die Chance, der beste Präsident zu werden, den die USA jemals hatten.</p>
<p>Oder der schlechteste.</p>
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		<title>Jan Roß: &#8220;Was bleibt von uns? Das Ende der westlichen Weltherrschaft&#8221;</title>
		<link>http://korrektheiten.wordpress.com/2008/05/30/jan-ros-was-bleibt-von-uns-das-ende-der-westlichen-weltherrschaft/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 May 2008 22:33:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[(Kurzrezension)
Es scheint unübersehbar, dass die Epoche der Dominanz des Westens über den Rest der Welt sich ihrem Ende zuneigt. War nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion noch das „Ende der Geschichte“ ausgerufen worden, weil die liberale Demokratie weltweit den Sieg davongetragen zu haben schien, so hat der Westen heute mit Gegenspielern zu tun, die mindestens seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><h3>(Kurzrezension)</h3>
<p align="justify">Es scheint unübersehbar, dass die Epoche der Dominanz des Westens über den Rest der Welt sich ihrem Ende zuneigt. War nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion noch das „Ende der Geschichte“ ausgerufen worden, weil die liberale Demokratie weltweit den Sieg davongetragen zu haben schien, so hat der Westen heute mit Gegenspielern zu tun, die mindestens seinen Handlungsspielraum beschränken, zum Teil aber auch seinen Wohlstand und seine Sicherheit gefährden.</p>
<p>Jan Roß hat ein Buch vorgelegt, das sich mit der Frage auseinandersetzt, wer die Kräfte sind, die den Westen herausfordern, worin die Herausforderung besteht, und wie der Westen in einer Welt agieren sollte, in der er die Szene nicht mehr allein beherrscht.</p>
<p>Der Autor unterscheidet zwei Arten von Herausforderern: „die Anderen und die Schnelleren“. Die Anderen sind vor allem die militanten Islamisten, die einen umfassenden Gegenentwurf zum westlichen Gesellschaftsmodell propagieren und seine Verwirklichung gewaltsam herbeizwingen wollen. Die Schnelleren: Das sind vor allem China und Indien, die sich mit ihrem entfesselten Kapitalismus anschicken, den Westen wirtschaftlich zu überholen; China als „Fabrik der Welt“, Indien als deren „Büro und Labor“. Russland gehört nicht zu den Herausforderern, weil sein rohstoffgestützter Boom zwar eine Scheinblüte, aber kein Erfolgsmodell hervorzubringen vermag.</p>
<p>Der Islamismus wiederum bedeutet für den Westen vor allem ein Sicherheitsproblem, das sich, dies zumindest legt der Autor nahe, auf die Terrorabwehr beschränkt und sich in dem Maße entspannt, wie die islamischen Völker sich von den autoritären Regimen emanzipieren, denen sie bisher unterworfen sind. Der Islamismus, so Roß, ist das Vehikel dieser Emanzipation, weswegen der Westen auch nicht versuchen sollte, die Machtübernahme von Islamisten zu verhindern, so sie auf demokratischem Wege zustandekommt.</p>
<p>China dagegen wird sich dauerhaft als Weltmacht etablieren und ist jetzt schon imstande, die Kreise des Westens empfindlich zu stören – man denke an seine Rolle im Streit um das iranische Atomprogramm. Chinas Macht beruht, mehr noch als die des demokratischen Indien, auf seiner Anziehungskraft speziell für Drittweltregime: China ist autoritär, antiwestlich und erfolgreich.</p>
<p>Chinas Aufstieg ähnelt in vieler Hinsicht dem von Deutschland und Japan in der zweiten Hälfte des neunzehnten und der ersten des zwanzigsten Jahrhunderts. Roß benennt die damit offenkundig verbundenen Gefahren, ohne sie vertieft zu analysieren.</p>
<p>Er weist allerdings darauf hin, dass nirgendwo eine überzeugende oder zumindest attraktive Alternative zur westlichen Leitidee der individuellen Freiheit und der „pursuit of happiness“ vorliegt, wie der Marxismus sie in seinen besten Tagen dargestellt haben mag: Weder der Islam noch die „asiatischen Werte“, von denen im Übrigen kaum noch jemand spricht, können es an Ausstrahlungs- und Anziehungskraft mit den Idealen des Westens aufnehmen. Im Reich der Ideen ist letzterer immer noch Alleinherrscher.</p>
<p>Roß setzt darauf, dass der Westen auch in und mit einer Welt gut wird leben können, die nicht mehr politisch und militärisch von ihm selbst dominiert wird, sofern er dafür sorgt, dass seine Werte und Ideale auch in anderen Kulturkreisen Akzeptanz und Verbreitung finden. Voraussetzung dafür ist, dass er selbst sie hochhält: nicht arrogant, nicht provozierend und schon gar nicht aggressiv, aber konsequent.</p>
<p>Jan Roß ist Redakteur der „Zeit“, und demgemäß liest sich sein Buch ein wenig wie ein verlängerter „Zeit“-Artikel: Da werden viele kluge und treffende Einsichten formuliert – aber am Ende des Textes weiß man schon nicht mehr genau, welche das eigentlich waren.</p>
<p>In der Zusammenschau ergeben sie ein breites Panorama, dem aber die Tiefe fehlt. Nur wenige seiner Thesen sind direkt falsch (mit der allerdings gewichtigen Ausnahme seines leichtsinnigen und blauäugigen Urteils über den Islamismus und die von ihm ausgehenden Gefahren - dass er den Islam <em>selbst</em> als eine Gefahr einschätzen könnte, erwartet man ja schon gar nicht), aber fast alle sind oberflächlich und keine ist wirklich überraschend: kaum ein Gedanke, den man nicht so ähnlich schon einmal irgendwo gelesen hätte. Man vermisst den Mut zur erfrischenden Ketzerei, zur originellen Analyse, zum provozierenden Einfall. Langweilig ist es nicht, dafür sorgt schon der flotte Stil des Autors, aber eben auch kein Buch, das man unbedingt gelesen haben müsste.</p>
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		<title>Seyran Ateş: &#8220;Der Multikulti-Irrtum&#8221;</title>
		<link>http://korrektheiten.wordpress.com/2008/05/17/seyran-ates-der-multikulti-irrtum/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 May 2008 15:22:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>

		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>

		<category><![CDATA[Islam]]></category>

		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>

		<category><![CDATA[Political Correctness]]></category>

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		<description><![CDATA[(Rezension)
Die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ateş ist bekannt als engagierte Kritikerin der Zustände in türkischen und kurdischen Parallelgesellschaften in Deutschland; als Kritikerin von Ehrenmorden, Zwangsverheiratungen, ehelichen Vergewaltigungen, Verschleppungen von Frauen und Kindern und der schier allgegenwärtigen körperlichen Gewalt innerhalb muslimischer Zuwanderungsfamilien. Sie hat vor Gericht unzählige Opfer solcher Praktiken, meist Frauen, vertreten.
Entsprechend oft bekommt sie Morddrohungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><h3>(Rezension)</h3>
<p>Die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ateş ist bekannt als engagierte Kritikerin der Zustände in türkischen und kurdischen Parallelgesellschaften in Deutschland; als Kritikerin von Ehrenmorden, Zwangsverheiratungen, ehelichen Vergewaltigungen, Verschleppungen von Frauen und Kindern und der schier allgegenwärtigen körperlichen Gewalt innerhalb muslimischer Zuwanderungsfamilien. Sie hat vor Gericht unzählige Opfer solcher Praktiken, meist Frauen, vertreten.</p>
<p>Entsprechend oft bekommt sie Morddrohungen aus dem Milieu, hat körperliche Angriffe, darunter einen Mordanschlag, überlebt, sah sich massiven Hetzkampagnen der türkischen Presse (speziell &#8220;Hürriyet&#8221;) ausgesetzt und wird von sogenannten Migrationsforschern verleumdet, die die Ursachen für migrationsbedingte Probleme überall suchen, nur nicht bei den Migranten selbst.</p>
<p>In ihrem Buch &#8220;Der Multikulti-Irrtum&#8221; setzt sie sich mit den genannten Missständen auseinander, wobei die Situation muslimischer Frauen im Mittelpunkt steht. Sie führt die Probleme zurück auf</p>
<p>- patriarchalisch-autoritäre Familienstrukturen die vom Herrschaftsanspruch des Patriarchen ausgehen, den dieser auch mit Gewalt durchsetzen darf, ja beinahe muss,</p>
<p>- den sozialen Druck, der von der Großfamilie, aber auch vom türkischen Milieu insgesamt ausgeht und die Einhaltung traditioneller Normen erzwingt,</p>
<p>- einen ihrer Meinung nach falsch verstandenen, in jedem Falle aber unzeitgemäßen Islam,</p>
<p>- den geringen Bildungsstand der meisten Türken in Deutschland,</p>
<p>- einen mittelalterlich anmutenden Jungfräulichkeitskult, der muslimische Männer geradezu verpflichtet, ihre Frauen, Töchter und Schwestern wegzusperren, zu kontrollieren oder ihnen zumindest das Kopftuch aufzuzwingen und</p>
<p>- eine auf die Spitze getriebene &#8220;Mannesehre&#8221;, die von der Unterdrückung der Frau abhängt und sich in ihr äußert.</p>
<p>Sie behauptet natürlich nicht, dass es in <em>allen</em> Familien so zugeht; genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, nicht zuletzt wegen der segensreichen Tätigkeit besagter &#8220;Migrationsforscher&#8221;; immerhin lassen die vorhandenen Daten den Schluss zu, dass die obige Beschreibung auf mindestens ein Drittel des Milieus zutrifft, und das ist noch optimistisch geschätzt.</p>
<p>Dabei zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Verfestigung dieser Parallelgesellschaften. Ateş kritisiert vehement die Bereitschaft der deutschen Gesellschaft, insbesondere der Behörden und Gerichte, solche Missstände hinzunehmen oder aus falsch verstandener kulturrelativistischer Toleranz zu verharmlosen. (Multikulti-Ideologen sind ihre Lieblingsfeinde, daher der Titel des Buches).</p>
<p>Sie behauptet allerdings auch, der Rückzug in die Parallelgesellschaft sei nicht nur der Gleichgültigkeit der deutschen Gesellschaft anzulasten, sondern auch ihrem Mangel an Bereitschaft, Menschen ausländischer Herkunft, speziell Moslems, überhaupt als Teil der deutschen Gesellschaft zu akzeptieren (&#8221;Wann kehren Sie in ihre Heimat zurück?&#8221;).</p>
<p>Sie plädiert dafür, dass Migranten sich an dem orientieren, was sie die &#8220;europäische Leitkultur&#8221; nennt - sprich an Menschenrechten, Demokratie, Toleranz, Gleichberechtigung der Geschlechter, Trennung von Politik und Religion. Und dafür, dass der deutsche Staat alle Register zieht, um sowohl mit gesetzlichem Zwang (einschließlich des Kopftuchverbotes) als auch mit umfassenden Hilfsangeboten von Lehrern, Sozialarbeitern, Beratungsstellen usw. die Respektierung dieser Normen zu erzwingen.</p>
<p>Von muslimischen Migranten sei zu verlangen, ihren Islam zu reformieren, ihn zeitgemäß in einem rein spirituellen Sinne zu leben und speziell diejenigen islamischen Normen über Bord zu werfen, die mit der Demokratie unvereinbar seien. Es komme für sie darauf an, eine &#8220;transkulturelle Identität&#8221; zu entwickeln - also gleichermaßen Europäer wie türkische Muslime zu sein, wobei von der islamischen Identität eben die illiberalen und gewalttätigen Züge abzuziehen seien, wohingegen es gelte, die türkische bzw. kurdische Muttersprache zu pflegen.</p>
<p>Der aufmerksame Leser, der meine sonstigen Texte kennt, wird schon an diesem lustlosen Referat gemerkt haben, dass ich von Ateşs Thesen nicht gerade erbaut bin.</p>
<p>Natürlich hat sie mit vielem Recht: mit ihrer Polemik gegen Multikulti-Ideologen, ihrer Kritik an der Unterdrückung muslimischer Frauen, ihrem Plädoyer für die Auflösung der Parallelgesellschaften, ihrem Insistieren darauf, dass ein demokratischer Staat die Menschenrechte zu verteidigen hat, auch die von muslimischen Frauen, und dass er nicht die Einführung der Scharia durch die Hintertür dulden darf. Auch die Vielzahl der von ihr angeführten Beispiele macht das Buch allemal lesenswert, und manch einer fragt sich vielleicht, was ausgerechnet ich gegen eine so profilierte Islamkritikerin einzuwenden habe.</p>
<p>Im Unrecht ist sie nicht mit ihrer Kritik, sondern mit dem, was ihr positiv vorschwebt. Das beginnt mit ihrem Selbstverständnis:</p>
<p><em><span style="color:#008000;">&#8220;&#8216;Deutschländer&#8217;, so werden &#8230; die in Deutschland lebenden Türken in der Türkei genannt. Der Begriff war in erster Linie negativ gemeint, ich finde ihn allerdings sehr zutreffend für Menschen, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben, ohne auf eine lange Familiengeschichte in Deutschland zurückzublicken. Man könnte ja anfangen, ihn positiv zu besetzen. &#8216;Deutschländer&#8217; gefällt mit jedenfalls um einiges besser als alle anderen Varianten. Ich persönlich kann mich recht gut mit ihm identifizieren - auch wenn es eine Würstchensorte gibt, die so heißt. In dem Begriff &#8216;Deutschländer&#8217; ist Deutschland enthalten, das Land, in dem wir leben, und er betont die Zugehörigkeit zu diesem Land, zu seiner Gesellschaft.&#8221; (S.26 f.)</span></em></p>
<p>Zum Land ja. Zur Gesellschaft ja. Zur Nation - nein!</p>
<p>Deutschland, das sagt sie oft genug, ist ihre Heimat, aber die Deutschen, das sagt sie, indem sie es <em>nicht</em> sagt, sind nicht ihre Nation. Sie wird lieber mit einem Würstchen verwechselt als für eine Deutsche gehalten. (Meinetwegen auch für eine <em>türkischstämmige</em> Deutsche - in Zusammenhängen, in denen es darauf ankommt.)</p>
<p>Seyran Ateş leistet rühmenswerte Arbeit, und das seit Jahrzehnten. Sie kämpft für die Menschenrechte und für die Werte unseres Grundgesetzes (Ja, sie sagt &#8220;unser Grundgesetz&#8221;). Sie riskiert sogar ihr Leben dafür. Ohne Zweifel gereicht sie unserer Gesellschaft zur Zierde. Wenn <em>so eine</em> partout keine Deutsche sein will - wer eigentlich dann?</p>
<p>(Komplementär dazu verwendet sie den Begriff &#8220;Urdeutsche&#8221; für</p>
<p><em><span style="color:#008000;">&#8220;die Deutschen, die vor der Gastarbeiteranwerbung in den 60er Jahren bereits seit mehreren Generationen in Deutschland lebten&#8221; (Anm. 2, S.277)</span></em></p>
<p>Ungeachtet der präzisen Definition finde ich dies sprachlich reichlich verunglückt. Unter einem &#8220;Urdeutschen&#8221; stelle ich mir eine pittoreske, knorrig-romantische Figur vor, mit der man Grimms Märchen verfilmen könnte, und fühle mich leicht veralbert, wenn man <em>mich</em> so tituliert.)</p>
<p>Ähnliche Bauchschmerzen bereitet mir der Begriff der &#8220;europäischen Leitkultur&#8221;. So etwas gibt es zwar, aber die kulturelle Sprache Europas kennt mindestens ebenso viele Dialekte, wie es europäische Nationen gibt, und sie existiert auch <em>nur</em> in Gestalt dieser Dialekte, nicht etwa als Hochsprache. Mehr noch: Zur europäischen Leitkultur gehört unabweisbar der Gedanke der <em>Nation</em>! Unsere Staaten sind <em>National</em>staaten und nicht bessere Verwaltungseinheiten, deren Grenzen man ebensogut auch anders hätte ziehen können.</p>
<p>Eine Nation aber ist nicht etwa die Summe ihrer Staatsbürger, sondern die zwischen ihnen bestehende Solidarität, die - zumindest als Idee und als Norm - der Demokratie im europäischen Sinne zugrundeliegt. Die Nation ist ein <em>politischer</em> Solidarverband. Sie ist ein <em>Wir</em>.</p>
<p>Da hilft es auch nicht, sich nach &#8220;Europa&#8221; zu flüchten: Ich bin bekanntlich ein Anhänger der Idee eines europäischen Bundesstaates, aber auch ein solcher könnte nur die Solidarität <em>zwischen</em> den europäischen Nationen organisieren und institutionalisieren, nicht aber die <em>innerhalb</em> der Nation ersetzen. (Und die Europäische Union wird keine Zukunft haben, wenn sie die Nationen weiterhin als lästiges Relikt aus der Vergangenheit behandelt; Nationalismuskritik war nach den Exzessen des zwanzigsten Jahrhunderts weiß Gott angebracht, aber sie darf einen nicht dazu verleiten, das Kind mit dem Bade auszuschürtten.)</p>
<p>Mit &#8220;Kultur&#8221; hat die Zugehörigkeit zu einer Nation zunächst nicht viel zu tun: Die Alemannen dies- und jenseits des Bodensees unterscheiden sich kulturell so gut wie gar nicht, gehören aber verschiedenen Nationen an. Umgekehrt gibt es allein schon aufgrund der Ausdifferenzierung unterschiedlicher Lebensstile große kulturelle Unterschiede innerhalb einer Nation, ohne dass deren Charakter als Wir-Gruppe dadurch in Frage gestellt würde.</p>
<p>So gesehen wäre auch gegen Ateşs Konzept der &#8220;transkulturellen Identität&#8221; - also gegen das Zuhausesein in verschiedenen Kulturen - nichts einzuwenden, wenn sie nicht ihren türkischen Identitätsanteil <em>gegen</em> die Zugehörigkeit zur deutschen Nation ins Feld führte, und dies nicht als private Einstellung, sondern als gesellschaftliches Leitbild. Und wenn - ja, wenn die ihrer Meinung nach zu pflegende Herkunftskultur nicht ausgerechnet eine islamische wäre:</p>
<p>Seyran Ateş beschreibt ebenso anschaulich wie eindrucksvoll, dass viele Muslime unter dem Diktat der öffentlichen Meinung ihrer Gesellschaft bzw. Parallelgesellschaft leben; da muss schon mal die Frau weggesperrt werden, weil der Clan oder der Nachbar sonst denken könnte, man sei kein &#8220;richtiger Mann&#8221;. Und tragikomisch ist, wenn sie schreibt, wie auf Seiten ihrer Mandanten wie auch der Prozessgegner ganze Großfamilien, Freunde, Nachbarn in den jeweiligen Fall hineinreden.</p>
<p>Was sie nicht wahrzunehmen scheint, ist die Verankerung solchen Verhaltens in der islamischen Ethik, die - juristisch formuliert - ein <em>objektivrechtliches</em> Normensystem ist: Verwerflich ist nicht, was einem Anderen schadet - so würden <em>wir</em> das sehen -, sondern was gegen objektive Normen, letztlich gegen den Willen Allahs, verstößt.</p>
<p>Ein solcher Verstoß geht dann in der Tat <em>Jeden</em> etwas an, und <em>Jeder</em> muss sich auch zuvörderst Gedanken darüber machen, &#8220;was die Leute sagen&#8221;. Ateş argumentiert wortreich, dass man den Koran in vieler Hinsicht - etwa bei der Verschleierung oder beim Alkoholverbot - auch liberaler auslegen könnte, als es traditionell geschieht. Das ist richtig, ist aber nicht der springende Punkt. Kulturell entscheidend ist, dass nicht die ethische Einsicht des Einzelnen, sondern die gesellschaftlich vorherrschende Interpretation des Islam - und sei sie noch so liberal - den Maßstab dafür abgibt, was verwerflich ist und was nicht.</p>
<p>Daran wird m.E. auch ihre Forderung scheitern, den Islam auf seine rein spirituellen Dimensionen zurückzustutzen. Jeder Einzelne für sich kann das natürlich tun - sofern er eine starke Persönlichkeit wie Seyran Ateş ist. Kann man sich aber ernsthaft vorstellen, dass eine solche Interpretation, die den Koran als Richtschnur des Handelns zur Disposition stellt und deshalb von neunzig Prozent aller Muslime weltweit als <em>Kufr</em> abgelehnt werden dürfte, von der Mehrheit der hiesigen Muslime als Leitbild akzeptiert wird?</p>
<p>Wenn es dafür überhaupt eine Chance geben soll, dann ist die Identifikation mit der deutschen Nation und das Ende der Identifikation mit der Herkunftskultur geradezu die Voraussetzung dafür: Wer sich - und sei es nur &#8220;unter anderem&#8221; - als Angehöriger der türkischen Kultur fühlt, schaut immer mit einem Auge in den Rückspiegel. Einem muslimischen <em>Deutschen</em> kann es völlig egal sein, ob man ihn in Anatolien für einen &#8220;Ungläubigen&#8221; hält, einem &#8220;<em>Deutschländer</em>&#8221; aber nicht.</p>
<p>Die meisten Menschen haben ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einem Großkollektiv. Und wer seine Identität nicht in der Zugehörigkeit zur Nation sucht und findet, der sucht und findet sie eben anderswo, notfalls in der <em>Umma</em>.</p>
<p>Dabei ist kaum zu erkennen, was von der türkisch-islamischen Kultur eigentlich übrigbleibt, wenn man alles abzieht, was Ateş gerne abgezogen sehen möchte, nämlich die Dominanz der Familie über den Einzelnen, den türkischen Nationalismus, die Verbindlichkeit islamischer Normen, den Machismo, die Bereitschaft zur privaten Gewaltanwendung.</p>
<p>Was bleibt da übrig?</p>
<p>Orientalische Musik, Lammhaxe statt Schweinshaxe, Interesse an türkischer Literatur und Geschichte, ein wenig Folklore. Nichts, was nicht auch einem aufgeschlossenen Deutschen einfallen könnte. Nichts, was man nicht als Privatsache behandeln könnte. Und vor allem nichts, was die Verrenkungen rechtfertigen würde, die Ateş aufführt, um nur ja keine Deutsche zu sein.</p>
<p>Selbstverständlich erwartet kein Mensch von eingebürgerten Ausländern, vom Moment der Einbürgerung an deutsch zu tümeln, oder rund um die Uhr &#8220;dessen eingedenk zu sein, dass sie Deutsche sind&#8221; - das tun wir doch Alle nicht. Dass sie sich aber als Teil der Nation verstehen, sprich als Deutsche, und <em>nicht</em> als Gruppe mit Sonderstatus <em>in</em> der Nation, sprich als &#8220;Deutschländer&#8221;: Das ist - zumindest als Norm - eine Selbstverständlichkeit. Es ist so selbstverständlich, dass es einem kaum noch bewusst ist. Ateş aber, die sonst den gesamten Katalog westlicher Werte akzeptiert, lässt ausgerechnet das Konzept &#8220;Nation&#8221; unter den Tisch fallen.</p>
<p>Das gibt zu denken. Möglicherweise haben die Islamisten wieder einmal auf ihre Art Recht, wenn sie den säkularen Nationalismus als unislamisches Importgut ablehnen. Zwar hat der Nationalismus auch in der islamischen Welt Fuß gefasst - wir kennen ihn etwa als türkischen, persischen, pakistanischen und (pan-)arabischen Nationalismus.</p>
<p>Dies alles sind aber Völker mit überwältigender muslimischer Mehrheit. Dagegen ist mir kein einziger Fall bekannt, wo Muslime als <em>Minderheit</em> sich mit der Nation als primärer politischer Gemeinschaft identifizieren. Ich vermute, dass die Prägung durch islamische Wertvorstellungen, insbesondere durch das Gebot der innermuslimischen Solidarität, so dominant ist, dass es selbst für säkulare und liberale Muslime wie Ateş buchstäblich <em>undenkbar</em> ist, einer nichtmuslimischen politischen Wir-Gruppe anzugehören und diese Zugehörigkeit als Teil der eigenen Identität aufzufassen.</p>
<p>Bezeichnend ist auch, dass sie es nicht für erforderlich hält, uns &#8220;Urdeutsche&#8221; mit Argumenten davon zu überzeugen, dass <em>wir</em> ein Interesse haben sollen, den &#8220;Deutschländern&#8221; die <em>politische</em> Gleichberechtigung zuzuerkennen, wenn deren Loyalität unserer Nation gegenüber bestenfalls zweifelhaft ist, sie einer Religion angehören, die man nur unter erheblicher Geistesakrobatik halbwegs verfassungskonform zurechtbiegen kann, aus deren Mitte daher immer wieder Extremisten und Verfassungsfeinde hervorgehen werden, und von denen zu erwarten ist, dass sie vor allem <em>untereinander</em> solidarisch sind - gegebenenfalls in Form einer Solidarität der &#8220;Transkulturellen&#8221; - gegen die Mehrheitsgesellschaft.</p>
<p>Dies auch dann, wenn der von Ateş favorisierte Euro-Islam tatsächlich die dominierende Option unter hiesigen Muslimen wäre.</p>
<p>Ohne uns &#8220;Urdeutsche&#8221; also davon zu überzeugen, dass wir daran ein Interesse haben, fordert sie, Deutschland solle sich nicht nur als &#8220;Zuwanderungsgesellschaft&#8221;, sondern als &#8220;Einwanderungsgesellschaft&#8221; definieren, so wie die USA und Kanada, damit auch Muslime sich willkommen fühlen und nicht die Hürde nehmen müssen, sich als Deutsche zu verstehen.</p>
<p>Wenn sie die nordamerikanischen Länder als Vorbild heranzieht, dann übersieht sie einen wesentlichen Punkt: Deren Selbstverständnis als Einwanderungsgesellschaft ist Teil ihrer <em>nationalen</em> Identität (weil diese Nationen ohne Einwanderung gar nicht existieren würden). Wer aber von den Deutschen (oder irgendeiner anderen europäischen Nation) fordert, ihr nationales Selbstverständnis zu korrigieren und sich als &#8220;Einwanderungsgesellschaft&#8221; zu verstehen, sollte sich darüber im Klaren sein (und so ehrlich sein zuzugeben), dass die Änderung einer <em>Kollektividentität</em> kaum anders zu bewerkstelligen ist als durch die ideologisch motivierte und politisch oktroyierte Vergewaltigung der Mehrheitsgesellschaft.</p>
<p>Das Ergebnis dieser Vergewaltigung - das hat <em>gerade</em> Ateşs Argumentation deutlich genug gezeigt - wäre <em>nicht</em> eine neue <em>nationale</em> Identität, sondern eine <em>nichtnationale</em> Identität der Nation, also ein Widerspruch in sich. Die deutsche Nation, darauf läuft es hinaus, soll als solche aufhören zu existieren.</p>
<p> </p>
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		<title>Glückwunsch, FC Bayern!</title>
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		<pubDate>Tue, 06 May 2008 14:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Political Correctness]]></category>

		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich glaube schon einmal irgendwo erwähnt zu haben, dass ich zwar seit zwanzig Jahren Wahlberliner bin, aber aus München stamme. Viel verbindet mich mit meiner alten Heimatstadt nicht mehr, nicht einmal der Akzent verrät noch, wo ich herkomme; bei Bedarf berlinere ick wie’n altjedienter Weddinger.
 
Nur in einem Punkt bin ich Münchner geblieben: beim Fußball. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal" style="margin:0;">Ich glaube schon einmal irgendwo erwähnt zu haben, dass ich zwar seit zwanzig Jahren Wahlberliner bin, aber aus München stamme. Viel verbindet mich mit meiner alten Heimatstadt nicht mehr, nicht einmal der Akzent verrät noch, wo ich herkomme; bei Bedarf berlinere ick wie’n altjedienter Weddinger.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Nur in einem Punkt bin ich Münchner geblieben: beim Fußball. Ich kann mich beim besten Willen nicht für die Hertha erwärmen; mein Verein ist und bleibt – na welcher wohl? Richtig!</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">1860.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Ich bin also nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, die Bayern zu hassen. Und mich damit in das große Heer der FC-Bayern-Hasser einzureihen, der Feinde des unbeliebtesten Vereins der Republik.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Nun gerate ich aber in einen Gewissenskonflikt: Gegen die Bayern zu sein gilt als politisch korrekt. Man ist für St. Pauli, Freiburg, Nürnberg, Kaiserslautern oder eben Sechzig – aber doch nicht für Bayern! Warum? Weil die Bayern ihre Erfolge mit Geld erkaufen, dadurch alle anderen Vereine in die zweite Reihe drängen, nicht in der Heimaterde verwurzelt sind, sondern Fans weltweit haben, weil sie arrogant sind und auf dem Feld nur das Nötigste tun. Außerdem haben sie Uli Hoeneß.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Nur kann man das alles auch ganz anders lesen: Es stimmt schon, dass der Erfolg im Fußball Geld bringt und das Geld den Erfolg begünstigt. Das wissen auch Alle, und Alle verhalten sich danach. Die Vereine, die die Chance hatten, zu den Bayern aufzuschließen, Dortmund zum Beispiel, Bremen, Leverkusen – die haben es alle nicht geschafft. Sie haben nicht die höhere Moral, sie haben nur weniger Erfolg. Wer weltweit Fans hat, muss wohl ziemlich guten Fußball spielen; und Uli Hoeneß mag schlecht erzogen sein – wenn auch schwerlich schlechter als Rudi Assauer – aber er versteht sein Handwerk, was man nicht von allen Bundesliga-Managern behaupten kann. (Und was die Verwurzelung in der Heimaterde angeht, so hat die durchaus ihre problematischen Seiten, wie sich 1933 zeigte, als – peinlich, peinlich – 1860 sich gar nicht genug SA-Leute in den Vorstand holen konnte, während die Bayern so lange wie irgend möglich an ihrem jüdischen Präsidenten festhielten.)</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Was also wirft man den Bayern vor? Den Erfolg, und dass sie guten Fußball spielen. Der Deutsche Gutmensch zieht es nämlich vor, in zugigen alten Stadien eine schlechte Mannschaft null zu fünf untergehen zu sehen, und hält dies für den Beweis seiner überlegenen Sportmoral. Der Masochismus eines mittelalterlichen Flagellanten: Lieber einen schlechten Fußball als einen – Pfui! – kapitalistischen. Das ist nichts anderes als Political Correctness, kombiniert mit linker Sozialromantik.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Nachdem ich alles über Bord geworfen habe, was irgendwie links ist, täglich einen Gutmenschen frühstücke und gegen die PC wettere: Wäre es da nicht konsequent, auch als Fußballfan Nägel mit Köpfen zu machen und zu den Bayern zu konvertieren?</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Ja, das wäre konsequent. Aber beim besten Willen: Das bringe ich nicht!</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Es ist <em>eine</em> Sache zuzugeben, dass die Bayern sich ihre Erfolge redlich verdient haben. Auch ein Fußballfan darf gelegentlich sportlich fair sein. Eine ganz <em>andere</em> Sache wäre es, in einer Fankurve zu stehen und „Bayern, Bayern!“ zu rufen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Ein Fußballfan wird schon als Kind auf seinen Verein geprägt wie ein Entenküken auf seine Mama. Dieses Herzklopfen und Bauchkribbeln, wenn die eigene Mannschaft aufläuft – das kann man nicht willkürlich manipulieren und auf eine andere übertragen. Fan sein heißt nicht, eine Religion zu haben (von der man abfallen kann), sondern ein Schicksal zu erleiden, mit dem man leben muss.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Nur ist das ja kein Grund, die zu hassen, deren Schicksal leichter ist.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<h3>In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, FC Bayern, zu Pokal und Meisterschaft, und viel Erfolg in der kommenden Champions-League-Saison!</h3>
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		<title>Tote Hosen</title>
		<link>http://korrektheiten.wordpress.com/2008/04/23/tote-hosen/</link>
		<comments>http://korrektheiten.wordpress.com/2008/04/23/tote-hosen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2008 03:45:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Political Correctness]]></category>

		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Campino, der Sänger der Toten Hosen, hat sich meine bleibende Antipathie dadurch gesichert, dass er sich während der Fußball-WM 2006 als England-Fan offenbart hat.
England! Nur Oranje wäre noch perverser gewesen.
Halten wir ihm zugute, dass er einer Gesellschaft entstammt, in der man sich eher mit bedrohten Fledermäusen als mit bedrohten Mitmenschen solidarisiert. In einer Gesellschaft, in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Campino, der Sänger der Toten Hosen, hat sich meine bleibende Antipathie dadurch gesichert, dass er sich während der Fußball-WM 2006 als England-Fan offenbart hat.</p>
<p><em>England!</em> Nur Oranje wäre noch perverser gewesen.</p>
<p>Halten wir ihm zugute, dass er einer Gesellschaft entstammt, in der man sich eher mit bedrohten Fledermäusen als mit bedrohten Mitmenschen solidarisiert. In einer Gesellschaft, in der die Kleine Hufeisennase ein Bauprojekt zu Fall bringen kann, der dafür zuständige Bürgermeister aber nicht und die UNESCO schon gar nicht, ist die Solidarisierung mit der englischen Nationalmannschaft eine Verschrobenheit der harmloseren Art. Immerhin beweist Campino damit, dass er ein Herz für Verlierer hat, deren einziger Titel älter ist als ihre ältesten aktiven Nationalspieler und zudem durch die Blindheit respektive Deutschfeindlichkeit eines sowjetischen Linienrichters zustandegekommen ist.</p>
<p>Zumindest diese Eigenschaften haben die Toten Hosen mit besagtem Linienrichter gemein. Ihr neuester Hit hat den Refrain:</p>
<p><em><span style="color:#008000;"> &#8221;Es gibt 1000 gute Gründe,<br />
auf dieses Land stolz zu sein.<br />
Warum fällt uns jetzt auf einmal<br />
kein einziger mehr ein?&#8221;</span></em></p>
<p>Tja. Wenn ich es mir recht überlege, habe auch ich erhebliche Zweifel, ob man auf Deutschland wirklich stolz sein kann. Ob man wirklich stolz darauf sein sollte, einer Gesellschaft anzugehören, zu deren prominentesten Künstlern Leute wie die Hosen gehören, die gegen das eigene Land Stimmung machen, oder wie Herbert Grönemeyer, der uns vorschnulzt, es gebe keinen Feind (und schon gar keinen Sieg), und der sich &#8220;Kinder an die Macht&#8221; wünscht. Oder wie die Prinzen, die im Gegensatz zu Grölemeyer zwar singen können, dieses Talent aber zu Liedern wie diesem missbrauchen:</p>
<p style="margin-bottom:0;"><em><span style="color:#008000;">&#8220;&#8230;Wir sind besonders gut im auf die Fresse hauen/Auch im Feuer legen kann man uns vertrauen./Wir stehen auf Ordnung und Sauberkeit./Wir sind jederzeit für ’nen Krieg bereit./Schönen Gruß an die Welt &#8212; seht es endlich ein:/Wir können stolz auf Deutschland sein./Schwein, Schwein, Schwein &#8230;/Das alles ist Deutschland&#8230;&#8221;</span></em></p>
<p style="margin-bottom:0;">Merken diese Leute eigentlich noch, was für einen Stuss sie von sich geben? &#8220;Jederzeit für &#8216;nen Krieg bereit&#8221;? Ach, wenn es doch nur so wäre! Die afghanischen Zivilisten, deren Zukunft davon abhängt, dass die Taliban geschlagen werden, würden es uns sicherlich danken, und auch um das eigene Land müsste man sich weniger Sorgen machen als jetzt, wo es sich in der eigenen Wehrlosigkeit suhlt.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Interessant - und für den Zustand unserer Gesellschaft aufschlussreich - ist, dass solch mutwillig und gehässig gegen das eigene Land gerichtete Lieder anstandslos im Radio gespielt werden, ohne dass irgendeiner meckert (was allein schon die Texte ad absurdum führt), während vermutlich Zigtausende auf die Straße gingen, wenn es einem Radiosender einfiele, die Böhsen Onkelz oder sonst eine rechte Rockgruppe zu spielen.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Es geht mir nicht darum, ob man dies oder jenes zulassen oder verbieten sollte. Es geht mir um die Wertematrix, die hinter der Akzeptanz des einen bei gleichzeitiger Ablehnung des anderen steht, also um die kuriose Prioritätensetzung, die offenbar so tief verinnerlicht ist, dass kaum noch einer sie irgendwie merkwürdig findet.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Was gilt denn im politischen Bereich als moralisch <em>gut</em>? Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber folgende Dinge dürften dazugehören:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Entwicklungshilfe, Internationalismus, Gewaltlosigkeit, Respekt vor fremden Kulturen und Religionen, verbunden mit Kritik gegenüber der eigenen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Und was gilt als <em>böse</em>?</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Diskriminierung, Imperialismus, Nationalismus, kulturelle Arroganz.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Als „gut“ gilt, was Anderen nützt, als „böse“, was Anderen schadet. Die Verfolgung der Interessen des eigenen Gemeinwesens kommt in diesem Tugendkatalog gar nicht oder mit negativer Wertung vor.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Der ideologische Code unserer Gesellschaft basiert also auf einer ausschließlich <em>altruistischen</em> Wertematrix. Man erkennt darin unschwer die aufs Kollektiv projizierte christliche Individualethik, die vor der Selbstgerechtigkeit warnt („Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet“) und der Liebe zum Feind einen höheren ethischen Rang zuweist als der zum Freund („Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde&#8221; (Lk 6,32))</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Es scheint niemandem (mehr) aufzufallen, dass eine solche Bevorzugung der fremden Gruppe gegenüber der eigenen Allem ins Gesicht schlägt, was seit Anbeginn der Menschheit als ethisch wertvolles Verhalten gilt, und zwar auch in den christlichen Gesellschaften der ersten beiden Jahrtausende.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Noch vor einem halben Jahrhundert galten auch in westlichen Gesellschaften sowohl Familiensinn als auch Patriotismus ganz selbstverständlich als hohe Tugenden; allgemein gesprochen galt die Solidarität mit der je eigenen Gruppe – auch und gerade im Konflikt mit Fremdgruppen – von jeher als <em>zentrale</em> Sozialnorm. Zentral deshalb, weil eine Gesellschaft, in der sie nicht gegolten hätte, als nicht überlebensfähig eingeschätzt worden wäre.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Warum das so gesehen wurde? Nun, vielleicht bestanden die zehntausenden von Generationen, die uns vorangingen, aus xenophoben Chauvinisten respektive unaufgeklärten Dummbeuteln, und erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts fand die Menschheit, zumindest aber deren weißer, westlicher und christlicher Teil, zu einer wahrhaft humanen und aufgeklärten Ethik. Plausibel ist das nicht, aber als zumindest hypothetische Möglichkeit sei es in Betracht gezogen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Welche ethischen Normen müssen eigentlich gelten, damit so etwas wie &#8220;Gesellschaft&#8221; möglich wird?</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Beginnen wir, de Einfachheit halber, mit der Grundnorm unseres eigenen Kulturkreises, der sogenannten Goldenen Regel:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><em><span style="color:#008000;">&#8220;Wie Ihr wollt, dass die Leute Euch tun sollen, also tut Ihnen auch.&#8221; (Lk 6,31)</span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Die säkulare Variante ist als Kategorischer Imperative bekannt und lautet:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="color:#008000;"><em>&#8220;Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.&#8221;</em></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Diese Normen beinhalten zunächst die Aufforderung, nicht einfach egoistisch seine persönlichen Interessen durchzusetzen, sondern sich an bestimmte Regeln zu halten, geschriebene wie ungeschriebene. Und da wir empirisch keine Gesellschaften beobachten können, die auf die Dauer auf der Basis des schieren Individualegoismus existieren, vielmehr feststellen müssen, dass in allen Gesellschaften (die nicht gerade in Auflösung begriffen sind) bestimmte Regeln gelten und vom Einzelnen verinnerlicht werden (sollen), können wir die oben genannten Prinzipien als universell gültig unterstellen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Machen wir uns nun an ein paar einfachen Beispielen klar, dass Ethik für den Einzelnen eine Zumutung darstellt: Ein Wahlbürger verzichtet darauf, den Sonntagnachmittag auf dem Sofa zu verbringen und marschiert hunderte von Metern zum Wahllokal, womöglich bei strömendem Regen, obwohl er genau weiß, dass seine Stimme nicht die Wahl entscheidet. Ein U-Bahn-Fahrgast bezahlt sein Ticket, obwohl er weiß, dass die Gefahr, beim Schwarzfahren erwischt zu werden, denkbar gering ist, und dass die U-Bahn auch fährt, wenn er nicht bezahlt. Ein Soldat riskiert sein Leben für sein Land, wohl wissend, dass sich am Kriegsausgang nichts ändern würde, wenn er einfach nach Hause ginge und das Siegen Anderen überließe.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Ethisches Verhalten ist also geprägt durch ein deutliches, im Falle des Soldaten sogar extremes Missverhältnis zwischen den Kosten, die der Einzelne auf sich nimmt, und dem Gewinn, den er individuell überhaupt nicht und als Teil der Gesellschaft auch dann hätte, wenn er die Kosten <em>nicht</em> auf sich nähme. Ökonomisch gesehen bedeutet Ethik also Privatisierung der Kosten und Sozialisierung der Gewinne.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Es ist leicht zu zeigen, dass <em>keine</em> Gesellschaft <em>ohne</em> solche ethischen Normen existieren kann, und doch gibt es keinen Weg, den Einzelnen rational davon zu überzeugen, dass <em>er</em> sich ihnen unterwerfen sollte. Ethisches Verhalten muss, so gesehen, als außerordentlich unwahrscheinlich gelten, trotzdem ist es die Regel, nicht die Ausnahme. Wie ist dieses täglich stattfindende Wunder zu erklären?</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Fragen wir kontrafaktisch: Würde der Fahrgast seine Karte auch dann bezahlen, wenn er wüsste, dass die Anderen es nicht tun? Würde der Soldat kämpfen, wenn er wüsste, dass seine Kameraden lieber davonlaufen? Die Fragen stellen heißt sie beantworten: Natürlich nicht! (Beim Wähler liegt der Fall etwas anders, denn dessen Stimme würde ja die Wahl entscheiden, wenn er als einziger zur Abstimmung ginge.)</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Niemand will der Dumme sein, der als Einziger die Regeln befolgt. Werden sie befolgt, so ist dies offensichtlich auf die Erwartung des Einzelnen zurückzuführen, dass alle (oder doch die meisten) Anderen sich ebenfalls ethisch verhalten. Diese Gegenseitigkeit der Erwartung also bringt ethisches Verhalten hervor. Ethik - und damit die Existenz von Gesellschaft schlechthin - beruht auf Solidarität.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">(Ein denkbarer Einwand lautet, ethisches Verhalten sei vor allem durch die Angst vor Strafe motiviert. Dieser Einwand gilt, wenn wir bei unseren Beispielen bleiben, für den Wähler gar nicht; die Strafdrohung gegen den Schwarzfahrer ist wegen der geringen Sanktionswahrscheinlichkeit wenig zwingend; und den Soldaten kann man mit Drohungen allenfalls vom Desertieren abhalten, aber nicht zur Tapferkeit zwingen. Tatsächlich spielen Sanktionsdrohungen eine wichtige Rolle; sie wirken aber auf zweierlei Weise: einmal <em>direkt</em> durch Abschreckung, aber wir haben gesehen, dass sie in dieser Hinsicht häufig ein stumpfes Schwert sind. Die Hauptwirkung ist <em>indirekter</em> Natur: Das Wissen um die Existenz der Sanktionsdrohung bestärkt jeden Einzelnen in seiner Erwartung, die Anderen würden sich an die Regeln halten, und motiviert ihn damit, es selbst ebenfalls zu tun.)</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Solidarität - so viel dürfte klar geworden sein -<em> hat nichts mit Altruismus zu tun</em> (mit dem sie oft verwechselt wird), also mit dem Handeln zugunsten Anderer. Sie ist als Geschäft auf Gegenseitigkeit vielmehr ein erweiterter und reflektierter <em>Egoismus</em>. Wie kommt Solidarität zustande? Durch altruistisches Handeln? Rein theoretisch könnte man sich das vorstellen: Ich verhalte mich altruistisch, rege dadurch einen Zweiten an, es mir gleichzutun, was wiederum einen Dritten und Vierten veranlasst, sich ebenfalls altruistisch zu verhalten und so fort, bis am Ende eine Solidargemeinschaft entstanden ist, in der man realistischerweise solidarisches Handeln Aller unterstellen kann. Ich spare mir an dieser Stelle die Mühe zu beweisen, etwa mithilfe spieltheoretischer Modelle, dass dies blankes Wunschdenken wäre; ich ziehe es vor, mich auf die Lebenserfahrung und den gesunden Menschenverstand zu berufen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Dabei gehört kaum ein Mensch bloß <em>einer</em> Solidargemeinschaft, bloß <em>einem</em> System gegenseitiger Solidaritätserwartungen an. Diese Systeme bauen vielmehr aufeinander auf, erfüllen je spezifische Funktionen und entlasten einander, wobei die Intensität der Solidaritätserwartungen mit zunehmender Größe des Systems tendenziell abnimmt:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Meiner Familie bin ich stärker verpflichtet als meinem Land, meinem Land stärker als meinem Kulturkreis und diesem wiederum stärker als der Menschheit insgesamt. Salopp gesagt ist mir auf jeder Ebene das Hemd näher als der Rock.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Dabei können diese Systeme einander nicht substituieren: Die Familie kann nicht die Aufgaben der Nation übernehmen und die Nation nicht die der Familie; die Menschheit wiederum kennt zwar auch Solidarität - wir spenden für Flutopfer in Bangladesh - aber die ist nur schwach ausgeprägt - wir spenden vielleicht 20 Millionen, aber eben nicht 20 Milliarden -, weswegen die Menschheit nicht die Nation ersetzen kann.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Es ist wichtig zu sehen, dass die Solidarität innerhalb eines solchen Systems ihre notwendige Kehrseite im Ausschluss aller <em>nicht</em> dazu gehörenden Menschen von der Sorte Solidarität hat, die für das betreffende System konstitutiv ist: Wer seinem Nachbarn beim Tapezieren hilft, weil er davon ausgeht, dass dieser Nachbar sich irgendwann revanchieren wird, ist noch lange nicht bereit, <em>Jedermann</em> beim Tapezieren zu helfen. Oder, ins Politische gewendet: Die Westdeutschen, die - nicht ohne Murren, aber letztlich doch anstandslos - eine Billionensumme aufbrachten, um Ostdeutschland auf die Beine zu helfen, hätten es zu Recht als absurde Zumutung zurückgewiesen, dasselbe für Polen oder Russland zu tun.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Ein altruistisches Verhalten - also: Jedem beim Tapezieren zu helfen oder alle Völker zu subventionieren - wäre für den Einzelnen eine unmenschliche Überforderung und für ein Kollektiv das Ende: Es wäre nicht nur ruiniert, es würde buchstäblich aufhören, als Solidargemeinschaft zu <em>existieren</em>, weil der Einzelne ja wüsste, dass seine solidarisch erbrachte Leistung, in diesem Fall also seine Steuergelder, in keiner Form an ihn zurückfließen, auch nicht langfristig oder in der verwandelten Gestalt von Stabilität oder Sicherheit; sie würden einfach über die Welt verstreut - eine Welt, die eben keine Solidargemeinschaft ist.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Wir können nunmehr die oben gestellte Frage beantworten, ob unsere Vorfahren bis zurück zu Adam und Eva etwa Faschisten oder Hinterwäldler waren, weil sie den Dienst an und die Loyalität gegenüber der je eigenen Solidargemeinschaft unter Indifferenz, notfalls auch Feindseligkeit gegen alle fremden, als höchste Tugend angesehen haben: Nein, das waren sie keineswegs. Sie haben einfach instinktiv erkannt, dass menschliche Gesellschaft auf der Existenz einander ausschließender Solidargemeinschaften basiert und dass die genannten Tugenden daher zwingende Notwendigkeiten darstellen. Bezeichnend für den geistigen Zustand unserer Gesellschaft ist aber, dass ich hier und heute umständlich beweisen muss, was zu allen Zeiten zu Recht als Selbstverständlichkeit galt.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;">Als ob nicht Jedem, der die Geschichte kennt, klar sein müsste, dass schon unzählige Gesellschaften an ihrem Mangel an innerer Solidarität zerbrochen sind, aber noch keine einzige an so etwas wie „Fremdenfeindlichkeit“.</p>
<p> </p>
<p style="margin-bottom:0;"> </p>
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		<item>
		<title>Wolfgang Wippermann: &#8220;Autobahn zum Mutterkreuz: Historikerstreit der schweigenden Mehrheit&#8221;</title>
		<link>http://korrektheiten.wordpress.com/2008/04/16/wolfgang-wippermann-autobahn-zum-mutterkreuz-historikerstreit-der-schweigenden-mehrheit/</link>
		<comments>http://korrektheiten.wordpress.com/2008/04/16/wolfgang-wippermann-autobahn-zum-mutterkreuz-historikerstreit-der-schweigenden-mehrheit/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2008 00:39:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://korrektheiten.wordpress.com/?p=86</guid>
		<description><![CDATA[(Rezension)
Manchmal bin ich etwas schwer von Kapee. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht zu begreifen, dass der Fall Eva Herman mehr und etwas anderes war als nur eine kuriose Episode, bei der alle Beteiligten sich nach Kräften blamiert haben. Es war ein Ereignis, das schlaglichtartig den geistigen Zustand unserer Gesellschaft erhellt hat. In dieser Einsicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><strong>(Rezension)</strong></p>
<p>Manchmal bin ich etwas schwer von Kapee. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht zu begreifen, dass der Fall Eva Herman mehr und etwas anderes war als nur eine kuriose Episode, bei der alle Beteiligten sich nach Kräften blamiert haben. Es war ein Ereignis, das schlaglichtartig den geistigen Zustand unserer Gesellschaft erhellt hat. In dieser Einsicht stimme ich überein mit dem Berliner Historiker Wolfgang Wippermann, dem ich sie verdanke. Allerdings ist dies auch fast der einzige Punkt, in dem ich seine Meinung teile.</p>
<p>Zur Erinnerung: Eva Herman war in den letzten Jahren mit betont feminismuskritischen Büchern an die Öffentlichkeit getreten (&#8221;Das Eva-Prinzip&#8221;), in denen sie vehement die klassischen konservativen Familienwerte verteidigte, insbesondere die &#8220;natürliche Bestimmung&#8221; der Frau zur Mutterschaft. Wahrscheinlich eher schlicht im Gedankengang - ich weiß es nicht, ich habe ihre Bücher nicht gelesen - traf sie doch bei vielen Lesern einen Nerv; ihre Bücher jedenfalls verkauften sich sehr gut.</p>
<p>Und so hätte alles laufen können, wie es immer läuft, wenn Journalisten ihr Rezept zur Rettung der Gesellschaft präsentieren: Einige empören sich (in diesem Falle also die Feministinnen), andere sind begeistert (in diesem Falle die katholische Kirche), die Leser freuen sich, endlich schwarz auf weiß zu lesen, was sie ohnehin immer schon zu wissen glaubten, und bei Verlag wie Autorin klingeln die Kassen. Und alle lebten glücklich bis an ihr seliges&#8230;</p>
<p>Halt!</p>
<p>Nun tat Eva Herman etwas, was man in Deutschland nicht tut: Sie lobte das Dritte Reich.</p>
<p>Bei der Vorstellung ihres Buches &#8220;Das Arche Noah Prinzip&#8221; pries sie - wie gehabt - Ehe, Familie und Mutterschaft, fügte diesmal aber sinngemäß hinzu, diese Werte seien unter Hitler hochgehalten worden (was ja an dessen negativen Seiten nichts ändere), später aber hätten die Achtundsechziger das alles mit Füßen getreten und zerstört.</p>
<p>Jetzt schlug die Stunde der Öffentlichkeit: Der NDR feuerte, die NPD feierte sie, die Presse gab sich staatstragend empört und der Zentralrat der Juden wehrte den Anfängen.</p>
<p>Das übliche Programm also, das immer dann abläuft, wenn jemand den Teppich hebt, unter dem wir Deutschen alles entsorgt haben, was unserem Selbstbild als geläuterte Demokraten zu widersprechen scheint, die aus der Geschichte gelernt haben, und wenn jemand öffentlich ausspricht, was nicht die meisten, aber auch nicht ganz wenige Deutsche denken, und was mit dem offiziösen Geschichtsbild wenig zu tun hat.</p>
<p>In dieser Situation hielt es der Talkshow-Moderator Johannes B. Kerner für angemessen, mit Herman das abzuziehen, was die Bloggerkollegin Eisvogel später &#8220;die Galileonummer&#8221; nennen sollte: &#8220;Widerrufe!&#8221;</p>
<p>Eva Herman widerrief nicht, obwohl Wippermann, der bei dieser Gelegenheit auf der Bildfläche erschien, ihr mit der ganzen Autorität des anerkannten NS-Experten klarzumachen versuchte, dass Hitlers Familienpolitik Bestandteil seines Projekts zur Rassenzüchtung und Kehrseite seiner Vernichtungspolitik gegen &#8220;Fremdrassige&#8221; gewesen sei.</p>
<p>Sie bestand in der zunehmend hitziger werdenden Diskussion darauf, nur das auszusprechen, was die meisten Menschen dächten, was aber von der &#8220;gleichgeschalteten Presse&#8221; in die rechte Ecke gestellt werde. Als ihr vorgehalten wurde, das Wort &#8220;Gleichschaltung&#8221; sei ein NS-belasteter Begriff, replizierte sie, der Begriff sei zwar damals verwendet worden,</p>
<p><em><span style="color:#008000;">&#8220;&#8230;aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden, und wir fahren heute drauf.&#8221; (S.30)</span></em></p>
<p>Dieses zugegebenermaßen ziemlich blöde Argument für die Verwendung des Wortes &#8220;Gleichschaltung&#8221; (mit derselben Logik könnte man auch Ausdrücke wie &#8220;Untermensch&#8221; rechtfertigen) wurde von den übrigen Gesprächsteilnehmern als ein erneutes &#8220;<em>Alles</em> war ja auch nicht schlecht&#8221; aufgefasst und mit Empörung quittiert. Der Moderator warf sie aus dem Studio mit dem ihn selbst blamierenden Satz:</p>
<p><span style="color:#008000;"><em>&#8220;Autobahn - das geht halt nicht.&#8221; (ebd.)</em></span></p>
<p>Und Eva Herman:</p>
<p><em><span style="color:#008000;">&#8220;Ich muss halt lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten.&#8221; (ebd.)</span></em></p>
<p>Sprach&#8217;s und ging.</p>
<p>Während sich viele Leserbriefschreiber und große Teile der Blogosphäre mit Eva Herman und ihren Thesen solidarisierten, bekam Wippermann, der sie kritisiert hatte, Tausende von Zuschriften, in denen er nicht nur kritisiert, sondern auch beschimpft, beleidigt und bedroht wurde: &#8220;Volksschädling&#8221;, &#8220;Ratte&#8221;, &#8220;Judenknecht&#8221;, &#8220;widerliche Kreatur&#8221;.</p>
<p>Das Buch, das er jetzt über die Herman-Kontroverse vorgelegt hat, dürfte also im Zorn geschrieben worden sein - das sei dem Autor zugutegehalten. Trotzdem - oder gerade deshalb - ist dieses Buch selbst mindestens so aufschlussreich wie die Ereignisse, die es beschreibt. Man bekommt jedenfalls nur selten die Gelegenheit, die Funktionsweise der Political Correctness an einem solchen Prachtexemplar zu demonstrieren; und ich wäre nicht ich selbst, wenn ich mir diese Gelegenheit entgehen ließe.</p>
<p>Wippermanns Kritik gilt vor allem demjenigen Teil der deutschen Bevölkerung, den er selbst bereits im Untertitel und dann mehrere Dutzend Mal im Text &#8220;die schweigende Mehrheit&#8221; nennt. Dabei lässt er offen, ob er damit ironisch auf das Selbstverständnis des genannten Personenkreises anspielen will, oder ob er buchstäblich eine Mehrheit meint. Solch unklare Begrifflichkeit - wir werden noch in anderen Zusammenhängen darauf stoßen - ist bei einem Wissenschaftler auch dann ein schwerwiegender Lapsus, wenn er für die breite Öffentlichkeit schreibt und nicht für das Fachpublikum.</p>
<p><em><span style="color:#008000;">&#8220;&#8216;Ich muss lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten&#8217;, erklärte Eva Herman kurz vor ihrem Abgang in der Kerner-Show am 9.Oktober 2007: Eine unfassbare und völlig unbegründete Behauptung.&#8221; (S.81)</span></em></p>
<p>Unfassbar? Völlig unbegründet?</p>
<p>Eva Herman hatte wegen ihrer Äußerungen bereits ihren Arbeitsplatz verloren. Solche Sanktionen kann man für gut oder schlecht halten. Wer aber behauptet, es gebe sie nicht, lügt.</p>
<p>Es geht aber noch weiter:</p>
<p><em><span style="color:#008000;"><span>&#8220;</span><span>Denn wer soll sie und andere in Gefahr bringen &#8230;? Hitler ist tot, und wir leben nicht in einer Diktatur ,sondern in einer Demokratie. In ihr herrscht die in der Verfassung geschützte &#8230; Meinungsfreiheit. Wer etwas anderes behauptet, hat ein Problem mit dieser Verfassung oder weiß einfach nicht, wovon er spricht.&#8221; (ebd.)</span></span></em></p>
<p>Das ist wahrscheinlich die Ganz Hohe Schule der Political Correctness: Bestimmte Meinungen nicht nur zu ächten (&#8221;Autobahn - das geht halt nicht.&#8221;), sondern <em>gleichzeitig</em> zu <em>leugnen</em> (&#8221;unfassbar!&#8221;, &#8220;Völlig unbegründet!&#8221;), dass man sie ächtet. Nicht nur zu leugnen, dass man sie ächtet, sondern jeden, der wahrheitsgemäß behauptet, sie würden geächtet, als Narren oder Verfassungsfeind abzustempeln!</p>
<p>(Wohlgemerkt: Es geht hier nicht darum, ob diese oder jene Ansichten, etwa die von Eva Herman, richtig oder falsch sind. Auch nicht darum, ob ihre Ächtung gut oder schlecht ist. Es geht um das Faktum der Ächtung an sich.)</p>
<p>Diese Ächtung nimmt dabei nur selten so handfeste Formen an wie den Verlust des Arbeitsplatzes. Die &#8220;schweigende Mehrheit&#8221;, um mit Wippermann zu sprechen, hat vielmehr das zutreffende Gefühl, bestimmte Auffassungen würden &#8220;in die rechte Ecke gestellt&#8221;, also als unseriös und unmoralisch aus dem öffentlichen Diskurs ausgegrenzt. &#8220;Öffentlich&#8221; ist dabei derjenige Diskurs, der von Meinungseliten geführt wird. Damit meine ich den Kreis derjenigen Personen, die von der Mediensoziologie &#8220;virtuelle Meinungsführer&#8221; genannt werden, das heißt Personen, die den informellen Status von Repräsentanten der Gesellschaft bzw. einzelner Gesellschaftssegmente genießen; die als solche regelmäßig Zugang zu den Medien und somit die Chance auf öffentliche Artikulation haben; und die in den Medien das vollführen, was man den &#8221;öffentlichen Diskurs&#8221; nennt. Gesellschaftliche Strömungen, die in den Meinungseliten nicht repräsentiert sind bzw. deren Repräsentanten ausgeschlossen werden, müssen als ausgegrenzt gelten. Es ist also nicht etwa so, dass der <em>Normalbürger</em> nicht sagen könnte, was er denkt - insofern ist das Wort &#8220;Meinungsdiktatur&#8221; zu Kennzeichnung der Political Correctness tatsächlich irreführend -, er ist &#8220;nur&#8221; mit bestimmten Ansichten vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen.</p>
<p>Wer zur Meinungselite gehören will, tut also gut daran, geächtete Meinungen für sich zu behalten. Wer das nicht tut, bekommt bestenfalls die Chance, den Galileo zu machen - so wie Günther Oettinger. Wer diese letzte Chance verpasst, wie Martin Hohmann oder eben Eva Herman, der ist draußen. Die physische Verbannung von Eva Herman aus dem Fernsehstudio - und damit aus dem Kreise der legitimerweise Diskutierenden - hat diesen Vorgang ungewöhnlich anschaulich gemacht und ist von den Zuschauern instinktiv als symbolträchtig empfunden worden.</p>
<p>Der darauf folgende Aufstand der Blogosphäre hat aber eines sichtbar gemacht: dass den bisherigen Meinungseliten das Definitionsmonopol darüber entgleitet, welche Themen und Meinungen gesellschaftsfähig sind und welche nicht. War auch bisher schon die &#8220;Öffentliche Meinung&#8221; identisch mit der <em>veröffentlichten</em>, so hat das Internet die Lage insofern verändert, als nun <em>Jeder</em> veröffentlichen kann.</p>
<p>Volkes Stimme gab es schon immer; an jedem Stammtisch war sie zu hören. Der kleine Kreis des Stammtisches (des Familiengesprächs, des Klönens in der Kaffeepause) stellte aber keine Öffentlichkeit dar. Erst das Internet macht aus Volkes Stimme eine <em>öffentliche</em> Stimme. Die &#8220;schweigende Mehrheit&#8221; schweigt nicht mehr, und das Volk <em>hat</em> nicht nur eine Stimme, es <em>weiß</em> vor allem, dass es eine hat.</p>
<p>Wippermann hat diesen Sachverhalt völlig richtig erkannt und in gewissem Sinne Pionierarbeit geleistet, indem er die Reaktion der Blogosphäre auf die Herman-Affäre systematisch ausgewertet und damit ihrem wachsenden Einfluss auf die öffentliche Meinung Rechnung getragen hat.</p>
<p>Freilich bewertet er diesen Einfluss vom Standpunkt einer um ihre Deutungshoheit bangenden Meinungselite ausschließlich negativ. Zu fragen ist, ob er damit Recht hat.</p>
<p>Es stimmt ja, dass sich Fehlinformationen im Internet rasend schnell verbreiten, ohne dass es einen wirksamen Filter gäbe, und dass gerade Verschwörungstheoretiker jeder Couleur das Internet als Baukasten benutzen, aus dem sie die Klötzchen für ihre jeweiligen Wahngebäude beziehen. Wahrscheinlich gibt es keine noch so verrückte Idee, für die man im Netz nicht eine Fangemeinde zusammentrommeln könnte. Soweit Wippermann dies feststellt, liegt er durchaus richtig.</p>
<p>Nur richtet <em>seine</em> Kritik sich nicht gegen irgendwelche UFO-Sekten, sondern <em>da</em>gegen, dass gesellschaftlich weitverbreitete Ideen öffentlich artikuliert werden. Liberal wird man einen solchen Standpunkt nicht nennen können. Demokratisch schon gar nicht.</p>
<p>Deswegen allein muss er aber noch nicht falsch sein: Es ist Konsens, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden sollte, wo ihr hemmungsloser Gebrauch zur Gefährdung eben jener demokratischen Ordnung führen würde, die die Meinungsfreiheit garantiert. Unsere Verfassung kennt dieses Prinzip als das der &#8220;wehrhaften Demokratie&#8221;. Unter diesem Gesichtspunkt - aber auch nur unter <em>diesem</em>! - lässt es sich rechtfertigen, bestimmte Meinungen als demokratiefeindlich vom seriösen Diskurs auszuschließen.</p>
<p>Welche Auffassungen möchte Wippermann gerne ausgeschlossen sehen? Zunächst die, die die &#8220;guten Seiten&#8221; des Nationalsozialismus thematisieren:</p>
<p><em>&#8220;Alles war ja auch nicht schlecht damals: Jeder hatte Arbeit, man konnte sich nachts auf die Straße trauen, für Familien wurde noch etwas getan, Mütter waren noch geachtet, es herrschte Ordnung, und außerdem hat Hitler die Autobahn gebaut.&#8221; </em></p>
<p>(Das ist kein wörtliches Zitat, sondern die Zusammenfassung von Äußerungen Eva Hermans und ihrer Sympathisanten, die Wippermann für gefährlich hält.)</p>
<p>Da stelle mer uns janz dumm und fragen: Stimmt denn dat überhaupt?</p>
<p>Sicher gibt es Einiges zu differenzieren, aber im Großen und Ganzen stimmt das durchaus. Um mit den Autobahnen zu beginnen, weil sie in der Debatte eine besondere Rolle gespielt haben (&#8221;Autobahn - das geht halt nicht!&#8221;), und weil Wippermann hier mit Gegenargumenten aufwartet:</p>
<p>Es habe bereits in Amerika und Italien Highways und Autostradas gegeben; womit nur eine Behauptung widerlegt ist, die niemand aufgestellt hat, nämlich dass die Nazis die Autobahnen <em>erfunden</em> hätten. Außerdem habe es in Deutschland bereits die Berliner AVUS gegeben (rund zehn Kilometer lang) und die Autobahn Köln-Bonn (noch so eine gigantische Fernstrecke). Die Nazis hingegen seien hinter ihren Planungen zurückgeblieben, indem sie in den sechs Jahren bis Kriegsbeginn lediglich 3000 Autobahnkilometer fertiggestellt hätten (während des Krieges kamen dann noch einmal 800 Kilometer hinzu), während die alte Bundesrepublik</p>
<p><em><span style="color:#008000;">&#8220;&#8230;bereits 1980&#8230;&#8221; (S.71)</span></em></p>
<p>(also 31 Jahre nach ihrer Gründung) 8000 Autobahnkilometer hatte - wobei offenbleibt, wieviel davon aus der Zeit vor 1945 stammte. Dem Autor scheint gar nicht aufzufallen, dass seine <em>eigenen</em> Zahlen dem Dritten Reich ein mindestens doppelt so hohes Bautempo bescheinigen wie der Bundesrepublik (3000 Kilometer in sechs Jahren versus 8000 Kilometer - minus X - in 31 Jahren) und damit genau das Gegenteil von dem beweisen, was sie beweisen sollen. Das ist durchaus kein Grund, Hitler zu feiern, wohl aber einer, dem Autor eine schlampige und willkürliche Argumentation anzukreiden.</p>
<p>Was den Schutz vor Kriminalität angeht: Da fehlen mir die statistischen Daten. Gut möglich, dass die drakonische Justizpolitik des Regimes, verbunden mit seiner Propaganda, dem Durchschnittsdeutschen mehr Sicherheit vorgaukelte als nach der Kriminalstatistik gerechtfertigt war; dass also das Sicherheits<em>gefühl</em> größer war als die tatsächliche Sicherheit. (Was aber nichts daran ändert, dass bereits die Illusion - falls es denn eine war - von Sicherheit als wohltuend empfunden wurde).</p>
<p>Darüberhinaus ist es eine schlichte Tatsache, dass unter Hitler die Arbeitslosigkeit innerhalb von nur drei Jahren von sechs Millionen auf Null reduziert wurde, und zwar mithilfe einer Politik massiver kreditfinanzierter Staatsnachfrage. Diese Art Konjunkturpolitik avancierte nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Titel &#8220;Keynesianismus&#8221; zur Hauptströmung wirtschaftspolitischer Theorie.</p>
<p>Und zutreffend ist auch, dass die Nazis vom Ehestandsdarlehen bis zum Mutterkreuz alle Register zogen, die Menschen zum Kinderkriegen zu animieren und dabei das Sozialprestige der Mütter zu heben.</p>
<p>Wippermann bestreitet das alles auch nicht direkt. Er weist nur - und zu Recht - darauf hin, dass Alles, was die Nazis taten, also auch die Autobahn, das Mutterkreuz, die Konjunkturpolitik (Aufrüstung!) im Dienste ihres monströsen Gesamtprojekts stand, eine &#8220;arische Herrenrasse&#8221; zu züchten und gestützt auf einen totalitären Staat die Weltherrschaft zu erringen, und dass es deshalb bestenfalls naiv wäre, einzelne Aspekte als vermeintlich &#8220;gute Seiten&#8221; des Dritten Reiches isoliert zu betrachten. Ein durchschlagendes Argument - freilich nur gegen Neonazis, die auf eine Neuauflage des Nationalsozialismus hinarbeiten.</p>
<p>Dagegen kann ich nicht erkennen, dass wirtschaftspolitische, bevölkerungspolitische oder verkehrspolitische Instrumente, die von den Nationalsozialisten in einem rassistischen und totalitären Zusammenhang eingesetzt wurden, diesen Kontext naturgemäß in sich trügen, deshalb niemals im Rahmen einer demokratischen und friedlichen Politik einsetzbar wären und daher für alle Zeiten tabu bleiben müssten:</p>
<p>Warum finanzielle oder ideelle Anreize - es muss ja nicht gerade das Mutterkreuz sein - zum Kinderkriegen etwas Schlechtes sein sollen, erschließt sich mir nicht. Zumal die Überalterung unserer Gesellschaft ein ernstes Problem darstellt, und das nicht nur für die Rentenkassen.</p>
<p>Oder nehmen wir die Wirtschaftspolitik: Angesichts einer seit dreißig Jahren andauernden Massenarbeitslosigkeit ist es legitim zu fragen, was von einer Politik zu lernen wäre, die eine doppelt so hohe Arbeitslosigkeit in nur drei Jahren beseitigt hat. Ich persönlich glaube zwar nicht, dass eine auf extremen Staatskonsum setzende Wirtschaftspolitik, noch dazu verbunden mit einer nicht minder extremen Verschuldung, heutzutage eine sinnvolle Option wäre. Nur ist das eine <em>ökonomische</em>, keine <em>moralische</em> Frage. (Bemerkenswert übrigens, dass die politische Linke, die ein solches Konzept verfolgt, <em>nicht</em> darauf hinweist, dass damit <em>schon einmal</em> Vollbeschäftigung erzielt wurde; offenbar verzichtet sie lieber auf ein erstklassiges Argument, als etwas Positives über Hitler zu sagen. Man könnte es beinahe edel finden, wenn es nicht so dämlich wäre.)</p>
<p>Und der Normalbürger, der die Autobahn lobt: Will <em>der</em> denn eine Neuauflage des NS-Regimes? Oder, allgemeiner gefragt: <em>Warum</em> spricht er über die seiner Meinung nach &#8220;guten Seiten&#8221; der Nazizeit?</p>
<p>Dieses &#8220;Warum&#8221; hat zwei Aspekte: Den objektiven - Wie kommt es, dass so viele Menschen so denken? - und den subjektiven - Was veranlasst sie, sich gerade <em>so</em> zu äußern?</p>
<p>Der Soziologe Harald Welzer hat in seiner Studie „Opa war kein Nazi“ empirisch untersucht, wie Geschichtsbilder über die NS-Zeit entstehen, und zwar an der Basis der Gesellschaft, speziell im familiären Diskurs.  </p>
<p>Er hat nachgezeichnet, wie dabei zwei Weltbilder aufeinandertreffen, die es aus der Sicht des Einzelnen in Einklang zu bringen gilt: Einmal das gleichsam offizielle Geschichtsbild, das auf den Ergebnissen der historischen Forschung aufbaut, die Repressivität und Grausamkeit nationalsozialistischer Ideologie und Praxis herausarbeitet und deren Totalverurteilung nahelegt. Zum anderen das Geschichtsbild der damaligen Durchschnittsdeutschen, das auf <em>deren</em> subjektiver Erfahrung beruht und innerfamiliär durch die Erzählungen der älteren Generation weitergegeben wird.  </p>
<p>Diese „Geschichte“ <em>kann</em> mit der der Historiker nicht übereinstimmen, weil sie aus einer ganz anderen Perspektive erzählt wird: aus der Perspektive dessen, der die Dinge nicht von oben analysiert, sondern von unten erlebte, und der dabei kein Jude, nicht schwul, kein Sozialist und kein avantgardistischer Künstler war – des Durchschnittsdeutschen eben. Und der fühlte sich, zumindest vor Kriegsausbruch, unter der Naziherrschaft alles in allem ziemlich wohl. Wäre es anders gewesen, hätten die Nazis niemals die loyale, teilweise begeisterte Unterstützung einer großen Mehrheit der Deutschen bekommen können. Warum aber fühlten die sich wohl? Nun, unter anderem wegen der Vollbeschäftigung, des Sicherheitsgefühls, der Familienförderung, der optimistischen Zukunftserwartungen (Autobahn!) usw., also aus genau den Gründen, die heute noch als „gute Seiten“ des NS-Regimes angeführt werden.  </p>
<p>Natürlich wusste auch der Normalbürger, dass Juden verfolgt wurden, und dass es Konzentrationslager und eine Gestapo gab – es interessierte ihn bloß nicht. Es interessierte ihn nicht, weil <em>seinen</em> Bedürfnissen nach Sicherheit, Ordnung und bescheidenem Wohlstand Rechnung getragen wurde. Man kann das unmoralisch finden, aber es ist genau das Verhalten, das im Normalfall von normalen Menschen zu erwarten ist. Auch wenn es einem nicht gefällt und man es nicht wahrhaben möchte: Menschen sind so.  </p>
<p>Problematisch wird diese Disposition in dem Moment, wo ein totalitäres regime sie ausnutzt. Sie ist aber nicht <em>per se</em> etwas Schlechtes: Der konformistische Bürger, der seine Steuern bezahlt, seine Familie mit eigener Arbeit ernährt, seine Kinder großzieht, der sich um seinen eigenen Kram kümmert und sich an die Gebote der konventionellen Moral hält – der ist bestimmt weniger interessant, oft auch weniger sympathisch als der Individualist, Nonkonformist, Utopist, Abenteurer, Philanthrop, Bonvivant, Künstler oder Bohemien. Aber er ist Derjenige, der die Gesellschaft funktionsfähig hält. Anders gesagt: Der Konformismus des Konformisten ist die Voraussetzung dafür, dass so etwas wie der Nonkonformist überhaupt existieren kann.  </p>
<p>Genau diesen Personenkreis meint Wippermann, wenn er von der „schweigenden Mehrheit“ spricht, die am Dritten Reich „gute Seiten“ findet, und der er deshalb eine faschistische Disposition unterstellt, statt nach ihren Motiven zu fragen.  </p>
<p>Was beinhaltet denn die Aussage, alles sei ja auch nicht schlecht gewesen, verbunden mit den einschlägigen Beispielen?  </p>
<p>Erstens kommt darin ein Bedürfnis nach Sicherheit, Ordnung und Wohlstand zum Ausdruck,  </p>
<p>zweitens die Kritik, dass diese Bedürfnisse heutzutage nicht berücksichtigt würden,  </p>
<p>drittens die Meinung, unter Hitler sei ihnen stärker Rechnung getragen worden.  </p>
<p>Beginnen wir beim dritten Punkt: Die Nazis haben dem tatsächlich Rechnung getragen, freilich nur, um die Voraussetzungen für ein Projekt zu schaffen, das mit Ordnung, Sicherheit und Wohlstand nicht das Geringste zu tun hatte, vielmehr chaotisch, riskant und ruinös war. Sie haben die braven Bürger ganz einfach hinters Licht geführt; und die <em>wissen</em> das auch sehr genau. Um Eva Herman zu zitieren:  </p>
<p><em><span style="color:#008000;">„… es war ’ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat…“ (S.19)   </span></em></p>
<p>Wippermann scheint solche Distanzierungen (man kennt sie auch in anderen Varianten, etwa: Wenn das mit den Juden und mit dem Krieg nicht gewesen wäre…) für bloße Lippenbekenntnisse zu halten, dabei bringen sie zum Ausdruck, dass das NS-Regime in genau <em>denjenigen</em> Punkten abgelehnt wird, die spezifisch nationalsozialistisch waren; damit wird gerade <em>keine</em> ideologische Sympathie formuliert.  </p>
<p>Was damit aber formuliert wird, ist das Unbehagen des Normalbürgers an unserer Gesellschaft, und da Wippermann es vorzieht, dieses Unbehagen als faschistisch zu verdächtigen, statt nach seinen Ursachen zu fragen, frage jetzt ich danach:  </p>
<p>Es ist nämlich eine gut gesicherte soziologische Erkenntnis, ja geradezu ein Gemeinplatz, dass es in allen westlichen Gesellschaften einen Trend weg von den sogenannten „Pflicht- und Akzeptanzwerten“, hin zu den „Selbstentfaltungswerten“ gibt.  </p>
<p>In Deutschland begann der zunächst schleichend Anfang des 20. Jahrhunderts, erfuhr einen ersten Schub in den zwanziger und erlitt Rückschläge in den dreißiger bis fünfziger Jahren, um sich dann ab den sechziger Jahren vollends durchzusetzen.  </p>
<p>Dieser Trend bedeutet, dass die Menschen weniger danach fragen, was „man“ tut, sondern was sie selbst tun wollen; die persönliche Freiheit ist im Zweifel wichtiger als die soziale Pflicht. Es heißt keineswegs den damit verbundenen Gewinn an individueller Autonomie geringzuachten, wenn man auf die Kehrseite dieses Prozesses hinweist:  </p>
<p>Ich habe es oben schon angedeutet: Der Zusammenhalt der Gesellschaft und ihr Fortbestand hängen wesentlich nicht von der „Selbstentfaltung“ des Einzelnen ab, zumal die auch mit Egoismus und Hedonismus einhergehen kann. Sie hängen genau von den erodierenden Pflicht- und Akzeptanzwerten ab.  </p>
<p>Die Gesellschaft existiert als solche nur so lange, wie Steuern bezahlt, Normen respektiert, Gesetze eingehalten und Kinder großgezogen werden. Die U-Bahn lebt nicht vom Schwarzfahrer, sondern von dem, der sein Ticket bezahlt. Der Sozialstaat lebt von denen, die ihn finanzieren, nicht von denen, die ihn in Anspruch nehmen. Selbst die Toleranz – gewiss eine hohe Tugend – lebt von denen, die sie selbst üben, nicht von denen, die sie einfordern und mutwillig strapazieren. Die Demokratie lebt von Wählern, die auch unangenehme, aber notwendige Entscheidungen akzeptieren, die Wirtschaft von Arbeitnehmern, die nicht beim ersten Husten den Krankenschein nehmen.  </p>
<p>Die Dominanz von „Selbstentfaltungswerten“ dagegen führt dazu, dass eine wachsende Zahl von Menschen es für ihr natürliches Recht hält, Steuern zu hinterziehen, Graffiti zu sprühen, schwarzzufahren, ihre Mitmenschen anzupöbeln, die schwangere Partnerin zur Abtreibung zu nötigen, bei der ersten Ehekrise auseinander zu rennen und obendrein stolz darauf zu sein, nicht über „Sekundärtugenden“ zu verfügen, weil man mit denen „auch ein KZ leiten“ könne. Wäre Kennedys Aufforderung „Fragt nicht was Euer Land für Euch tun kann, sondern was Ihr für Euer Land tun könnt“ von einem <em>deutschen</em> Politiker ausgesprochen worden – wir können sicher sein, dass die als Antifaschismus getarnte Asozialität sie mit einem „Wehret den Anfängen!“ quittiert hätte.  </p>
<p>Die von Wippermann so genannte „schweigende Mehrheit“ – ob sie tatsächlich eine Mehrheit ist, lasse ich dahingestellt – jener rückständigen Menschen, die nicht nur ihre „Selbstentfaltung“ im Kopf haben, hat das vollkommen zutreffende Gefühl, dass sie die Zeche für die Selbstentfaltung Anderer zahlt. Dieser schweigenden Mehrheit geht es um stärkere Verbindlichkeit sozialer Normen und um größere soziale Anerkennung für diejenigen, die für diese Gesellschaft etwas leisten, und damit formuliert sie ein völlig legitimes Interesse. Ein solcher Standpunkt ist <em>konservativ</em>. Ihn <em>faschistisch</em> zu nennen ist eine bösartige Verleumdung.  </p>
<p>Ich spreche bewusst von Verleumdung, nicht etwa von einem Irrtum. Es geht Wippermann nämlich nachweisbar nicht um die Bekämpfung faschistischer, sondern <em>konservativer</em> Positionen, und zwar mit dem klassischen Mittel linker Demagogie, nämlich durch das Schwingen der Faschismus-Keule.  </p>
<p>(Es sei angemerkt, dass es sich für einen seriösen Wissenschaftler von selbst verstehen sollte zu tun, was Wippermann wohlweislich unterlässt: nämlich einen so schillernden Begriff wie „Faschismus“ nur zu gebrauchen, wenn man zugleich offenlegt, auf welche der vielen Faschismusdefinitionen man sich bezieht. <em>Dann</em> freilich wäre das Wort nicht mehr so leicht als politische Waffe verwendbar.)  </p>
<p>Beweise?  </p>
<p>Er beklagt, dass  </p>
<p><em><span style="color:#008000;">„…es heute mehr um konservative und faschistische ‚Werte’ geht als um ihre Kritik…“ (S.10)   </span></em></p>
<p>- man beachte die Gleichsetzung und, als besonderes Bonbon, die Anführungszeichen im Text. Oder wie er sich mit Artikeln von Eva Herman auseinandersetzt:  </p>
<p><em><span style="color:#008000;">„Noch nicht Faschismus, aber in eine bedenkliche Nähe zu ihm gerät die Argumentation im ‚biologischen Kontext’. So, wenn von der ‚Entweiblichung der Frau’ und der ‚Entmännlichung der Herrenwelt’ gesprochen … wird.“ (S.16)   </span></em></p>
<p>Wer auf Nummer Sicher gehen will, nicht als Faschist entlarvt zu werden, meide diese „bedenkliche Nähe“.  </p>
<p><span style="color:#008000;"><em>„Völlig sozialdarwinistisch ist die folgende Dekadenzthese: ‚So zieht eine hochzivilisierte Kultur wie die unsere sich selbst den Boden unter den Füßen weg, die Basis, die uns Halt im täglichen Überlebenskampf geben kann: die intakte Familie.’“ (S.17)   </em></span></p>
<p>„Sozialdarwinistisch“ ist bereits, wenn das Wort „Überlebenskampf“ erwähnt wird. So müssen wir uns wohl das vorstellen, was Wippermann seine  </p>
<p><em><span style="color:#008000;">„ideologiekritische … Methode“ (S.9)</span></em>  </p>
<p>nennt. Da werden  </p>
<p><em><span style="color:#008000;">„extrem rechte Politiker wie Peter Gauweiler und Otto von Habsburg“ (S.24)   </span></em></p>
<p>und damit auch ihre Partei, die CSU, dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet.  </p>
<p>Wippermann beschreibt zutreffen die Einstellung der Achtundsechziger zu konservativen Werten – Stichwort: Sekundärtugenden – und fährt fort:  </p>
<p><em><span style="color:#008000;">„Auch wenn man dabei zu weit gegangen ist und in jedem Konservativen einen zumindest potenziellen Faschisten gesehen und all diese Tugenden und Werte als faschistisch oder, um ein weiteres Modewort zu gebrauchen, als faschistoid bezeichnet und verworfen hatte, <span style="text-decoration:underline;">im Kern trifft es dennoch zu</span>. Konservativismus und Faschismus waren politische Bundesgenossen und <span style="text-decoration:underline;">hatten gleiche oder zumindest vergleichbare ideologische Ziele</span>.“ (S.6) [Hervorhebungen von mir, M.]  </span></em></p>
<p>Also zuerst eine scheinbare Distanzierung von diesem unsäglichen Quatsch – natürlich, er will sich ja nicht total blamieren -, um am Ende doch zuzustimmen. Nicht die einzige Stelle übrigens, wo er diesen schmierigen Kunstgriff anwendet. Fragt sich nur, wie redlich ein Autor sein kann, der sich von seinen eigenen Thesen distanziert, um nicht auf sie festgenagelt zu werden, sie dann aber trotzdem unter die Leute bringt.</p>
<p>Selbstverständlich gibt es einen Zusammenhang zwischen konservativen Werten und nationalsozialistischer Ideologie. Der besteht aber nicht darin, dass sie „gleiche oder zumindest vergleichbare ideologische Ziele&#8221; gehabt hätten, sondern dass die Nazis sich auf konservative Werte beriefen, um sie in ihr Gegenteil zu verkehren. Oder, wie ich an <a href="http://korrektheiten.wordpress.com/2007/09/20/gelesen-hans-peter-raddatz-von-gott-zu-allah/">anderer Stelle </a>geschrieben habe:  </p>
<p><em>„Unter den totalitären politischen Ideologien halte ich im Zweifel die rechten für gefährlicher als die linken. Die extremen Linken machen sich selber das Leben schwer, indem sie Dinge versprechen, vor denen sich Jeder mit Grausen wendet, der etwas zu verlieren hat: Weltrevolution, Tabula Rasa, der Neue Mensch - und der Normalbürger denkt: Alles, nur das nicht!  </em></p>
<p><em>Die extremen Rechten sind gefährlicher, weil sie es auf genau diesen Normalbürger abgesehen haben. Die muten niemandem zu, ein “Neuer Mensch” zu werden, sie greifen einfach das auf, was sie an Ressentiments, Vorurteilen, Werten, Wunschträumen, Mythen und Ideologiefetzen in der Gesellschaft vorfinden, erklären es zu den “wahren Werten” des jeweiligen Gemeinwesens, erfinden einen Feind, der diese Werte angeblich angreift, stilisieren sich zu den besseren Konservativen, weil sie konsequent diesen “Feind” bekämpfen, und propagieren eine Ideologie, in die das alles hineinpasst. (…)Verführerisch sind solche Ideologien, weil ihre einzelnen Bestandteile populär sind, und weil der Normalbürger nicht unbedingt durchschaut, wohin es führt, wenn sie zu einem ideologischen System zusammengebunden werden.“   </em></p>
<p>Es gibt also tatsächlich die Gefahr, dass konservative Ideen von totalitären Ideologen scheinbar aufgegriffen, in Wahrheit aber zur Basis eines utopisch-revolutionären Projekts gemacht und damit in ihr Gegenteil verkehrt werden. Da es sich um die Pervertierung <em>konservativer</em> Werte handelt, spricht man in solchen Fällen von &#8220;<em>Rechts</em>extremismus&#8221;, während die analoge Pervertierung <em>emanzipatorischer</em> Werte &#8220;<em>Links</em>extremismus&#8221; genannt wird. Wer deswegen eine Identität von Konservatismus und Faschismus behauptet, könnte ebensogut sozialdemokratisches und sogar liberales mit stalinistischem Denken in einen Topf werfen. Wer der Gefahr einer solchen Pervertierung  begegnen will, wird zwischen Konservatismus und Faschismus sorgfältig unterscheiden und dabei ideologiekritisch argumentieren müssen. Dabei bieten sich meines Erachtens mindestens drei Unterscheidungskriterien an:</p>
<p>Auf der Ebene der poltischen Ziele: Handelt es sich tatsächlich um ein Projekt der Bewahrung sozialer Werte und Strukturen, oder geht es um die Verwirklichung einer Sozialutopie, zum Beispiel die Züchtung einer Herrenrasse?  </p>
<p>Auf der Ebene der eingesetzten Mittel: Ist die gewaltsame Zerstörung des Bestehenden Voraussetzung für die Verwirklichung der Utopie, gibt es also ein apokalyptisches Moment?  </p>
<p>Auf der Ebene der Ideologie: Handelt es sich um ein totalitäres Gedankensystem, das heißt um eines, das den Anspruch auf umfassende Gesellschaftsdeutung und –gestaltung erhebt und sich gegen rationale Kritik durch seine Struktur immunisiert - etwa durch Bezugnahme auf religiöse Prämissen oder durch Zulassung von Zirkelschlüssen?  </p>
<p>Selbstverständlich ist es legitim, auch ganz andere Kriterien zu entwickeln, allerdings nur, sofern man dies begrifflich sauber, logisch widerspruchsfrei und intellektuell diszipliniert tut. Die von Wippermann betriebene plumpe Diffamierung missliebiger Meinungen jedenfalls gehört gottlob noch nicht zu den anerkannten Methoden wissenschaftlicher Ideologiekritik.  </p>
<p>Wir sehen also, dass es bei der Political Correctness, die Wippermann uns geradezu in Reinkultur vorführt, nicht darum geht, die Demokratie zu schützen (was allein die Ausgrenzung bestimmter Meinungen von einem liberalen Standpunkt aus rechtfertigen könnte), sondern darum, die ideologische Vorherrschaft der Linken dadurch abzusichern, dass man den von ihr missachteten Interessen des konservativen Normalbürgers die Legitimität abspricht und den politischen Ideen, in denen diese Interessen zum Ausdruck kommen, den Zugang zum Elitendiskurs verwehrt.</p>
<p>Problematisch daran ist <em>nicht</em>, dass <em>überhaupt</em> bestimmte Themen und Positionen aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden. Die gesellschaftliche Funktion sowohl der Medien als auch der Wissenschaft besteht vielmehr <em>gerade</em> darin, die Flut der anfallenden Informationen zu filtern und zu verarbeiten, und zwar nach jeweils systemeigenen Kriterien.</p>
<p>Dabei sortiert die Wissenschaft nach dem Kriterium &#8220;wahr/unwahr&#8221; (wobei die Unterscheidung nach wissenschaftsspezifischen Regeln erfolgt), die Medien nach dem des öffentlichen Interesses: Was Keinen interessiert, wird nicht gesendet.</p>
<p>Normalerweise.</p>
<p><em>Die</em> Kriterien aber, nach denen die etablierten Meinungseliten den Zugang gewähren bzw. verweigern, zeichnen sich gerade durch ihre <em>Systemwidrigkeit</em> aus: Es geht nämlich gar nicht darum, ob eine Meinung wahr oder unwahr bzw. von öffentlichem Interesse ist oder nicht.</p>
<p>Es handelt sich vielmehr um <em>politische</em> oder auch <em>moralische</em>, in jedem Fall aber <em>systemfremde</em> Kriterien, deren Anwendung zwangsläufig dazu führt, dass die Medien ihre gesellschaftliche Funktion, nämlich die der Selbstverständigung der Gesellschaft, nur noch eingeschränkt erfüllen.</p>
<p>Wir haben es hier, um es deutlich zu sagen, mit <em>mutwilliger, politisch motivierter Sabotage</em> eines zentralen gesellschaftlichen Funktionsbereiches zu tun: Die Meinungseliten missbrauchen ihre Monopolstellung und ihre Fähigkeit zur Selbstrekrutierung zum Zwecke politisch-ideologischer Herrschaft.</p>
<p>Es ist nur folgerichtig, dass diejenigen Teile der Gesellschaft, die auf diese Weise vom öffentlichen Diskurs ausgegrenzt werden, auf alternative Strukturen ausweichen, speziell auf das Internet, und dort einen Gegendiskurs führen. Und folgerichtig ist auch, dass dieser Gegendiskurs normalerweise weder wissenschaftlichen Wahrheitskriterien genügt noch in derselben Weise fundiert ist, wie es bei Positionen der Fall ist, die sich im Feuer der öffentlichen Kritik bewähren müssen.</p>
<p>Wie auch? Das Netz ist anarchisch, wie es übrigens auch der frühe Buchdruck war, und die leistungsfähigeren, weil differenzierteren Systeme Wissenschaft und Medien, die eine höhere Qualität hervorbringen könnten - <em>die</em> stehen ja nicht zur Verfügung!</p>
<p>Genau diesen Sachverhalt aber macht Wippermann der &#8220;schweigenden Mehrheit&#8221; zum Vorwurf (als ob <em>sie</em> daran schuld wäre und nicht die ihre Macht missbrauchenden Meinungseliten, also Leute wie <em>er</em>!), wenn er wortreich beklagt, dass die Ausgrenzung von Eva Herman mit Vokabeln wie &#8220;Meinungsdiktatur&#8221;, &#8220;Gleichschaltung&#8221; und - dies vor allem - &#8220;Verschwörung&#8221; gegeißelt wird. Er sieht darin den Ausdruck einer massenhaft verbreiteten - na was wohl? - faschistischen Gesinnung.</p>
<p>Es scheint ihm durchaus nicht einzufallen, dass die Ursache der Kritik in den kritisierten Verhältnissen liegen könnte und nicht im schlechten Charakter der Kritiker - für einen Linken ein bemerkenswerter Standpunkt!</p>
<p>Dabei haben die genannten Ausdrücke mit Ideologie normalerweise wenig bis nichts zu tun; sie sind schlicht der Versuch, die beobachtete ideologische Konformität der Meinungseliten auf den Begriff zu bringen und zu erklären. Der konservative Normalbürger sieht sich der kafkaesken Situation gegenüber, dass Wahrheiten für unwahr und Unwahrheiten für wahr erklärt werden, dass Konservatismus als Faschismus denunziert wird, dass Zweifel daran als verwerflich zurückgewiesen werden, und dass seine Auffassungen im öffentlichen Diskurs nicht vorkommen - kurz und gut: dass die Selbstbeschreibung unserer Gesellschaft als &#8220;pluralistisch&#8221; offensichtlich nur eingeschränkt der Wahrheit entspricht, dies aber von den Meinungseliten geleugnet wird.</p>
<p>Und nun steht er vor dem Problem, sich auf diesen mysteriösen Sachverhalt einen Reim zu machen, wobei ihm, auch wenn er gebildet ist, normalerweise nicht die analytischen Instrumente des Soziologen zur Verfügung stehen. Was tut er? Er greift zu den sich aufdrängenden Erklärungsmustern, und die sind naturgemäß verschwörungstheoretischer Natur. </p>
<p>In einer solchen Situation, in der Verschwörungstheorien die scheinbar einzig adäquaten Erklärungsmodelle darstellen, kann es nicht ausbleiben, dass auch der Klassiker aller Verschwörungstheorien, nämlich die &#8220;jüdische Weltverschwörung&#8221; bemüht wird - gerade in einer Gesellschaft, in der antisemitische Weltdeutungen über Jahrhunderte hinweg in immer neuen Varianten verinnerlicht worden sind, und in der solche Interpretationsmuster daher tief im kollektiven Unbewussten verankert sind.</p>
<p>Wippermann zitiert denn auch ausführlich aus antisemitischen Ergüssen, die im Zusammenhang mit der Herman-Affäre geschrieben worden sind. Er hat schon Recht: Sowohl die Akzeptanz von Verschwörungstheorien überhaupt, als auch deren besonders giftige antisemitische Version sind ernsthafte Gefahren für ein demokratisches Gemeinwesen, und ich selbst habe viele Seiten geschrieben, um zu zeigen, dass verschwörungstheoretisches Denken dem Totalitarismus Tür und Tor öffnet.</p>
<p>Was Wippermann aber nicht sieht, ist, dass Verschwörungstheorien nur dort benötigt und akzeptiert werden, wo die Welt undurchschaubar wird. Eine &#8221;Elite&#8221;, die die Menschen belügt statt sie aufzuklären, die zum Zwecke ideologischer Dominanz ihre Deutungsmacht missbraucht, die nicht mit Argumenten überzeugen, sondern mithilfe inquisitorischer Verdammungsurteile herrschen will, führt die Undurchschaubarkeit der Welt mutwillig herbei und darf sich nicht wundern, wenn sie die giftigen Früchte ihres Wirkens in Gestalt von Verschwörungstheorien und Antisemitismus erntet. Wippermanns Buch ist die larmoyante Bankrotterklärung einer Elite, die ihre Glaubwürdigkeit verspielt hat und sich nun beklagt, dass ihr niemand mehr glaubt.</p>
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		<title>Kleiner Hinweis</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Apr 2008 23:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Da ich schon einige Zeit schweige, halte ich es für angebracht darauf hinzuweisen, dass ich nicht etwa im indischen Dschungel verschollen bin. Ich schreibe gerade an einer Rezension zu Wolfgang Wippermanns Buch &#8220;Autobahn zum Mutterkreuz: Historikerstreit der schweigenden Mehrheit&#8221;.
In diesem Buch setzt sich der Autor mit der Kontroverse um Eva Herman auseinander. Herausgekommen ist dabei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Da ich schon einige Zeit schweige, halte ich es für angebracht darauf hinzuweisen, dass ich nicht etwa im indischen Dschungel verschollen bin. Ich schreibe gerade an einer Rezension zu Wolfgang Wippermanns Buch &#8220;Autobahn zum Mutterkreuz: Historikerstreit der schweigenden Mehrheit&#8221;.</p>
<p>In diesem Buch setzt sich der Autor mit der Kontroverse um Eva Herman auseinander. Herausgekommen ist dabei ein solches Prachtexemplar an Political Correctness, dass ich gar nicht anders kann als es hingebungsvoll zu zerpflücken, den darin enthaltenen ideologischen Code als Machtcode zu dechiffrieren und mir nebenbei Gedanken darüber zu machen, wie ein kritisches, antitotalitäres Geschichtsbewusstsein aussieht, das <em>nicht</em> über die Stöckchen der Political Correctness springt.</p>
<p>Dementsprechend lang wird der Artikel ausfallen, und da ich ja auch noch andere Dinge zu tun habe als zu bloggen, dauert es eben seine Zeit. Ich hoffe aber, am Dienstag oder Mittwoch das Ergebnis veröffentlichen zu können. Bis dann!</p>
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		<title>Ein Dialog der Kulturen</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Apr 2008 00:19:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Islam]]></category>

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